Sonntag, 31. Juli 2016

10.03.2016
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5 Jahre danach: Noch immer keine Strahlentoten in Fukushima!

5 Jahre danach: Noch immer keine Strahlentoten in Fukushima!
Matthias Heitmann sammelt makabre Stilblüten des deutschen Anti-Atom-Mainstreams.

Der fünfte Jahrestag nähert sich. Seit dem 11. März 2011 ist uns das Wort Fukushima ein Begriff. Doch wofür steht es eigentlich genau? Je weiter ein Ereignis zurückliegt, desto verschwommener und stilisierter ist zuweilen die Erinnerung. Kommt Zeit, kommt Unrat, könnte man einwenden. Eine solche Stilisierung kann aber auch sehr viel schneller geschehen, vor allen Dingen dann, wenn es um ein politisch sehr brisantes Thema geht, wie etwa einen Atomunfall, der dadurch ausgelöst wurde, dass ein durch ein Seebeben verursachter Tsunami ein Kernkraftwerk traf. Nochmal zum Mitschreiben die unzweideutige Ereigniskette: Seebeben löst Flutwelle aus, Flutwelle trifft auf japanische Küste und auf ein sich dort befindendes Kernkraftwerk.

Wir Menschen verkürzen ja Zusammenhänge gerne, um sie griffiger zu machen. Sehr schnell können so aus den Opfern des Tsunamis vom 11. März 2011 Opfer des Atomunfalls von Fukushima werden. Warum so etwas so erstaunlich häufig geschieht? Atomopfer können politisch anders in Stellung gebracht werden als Opfer einer Naturkatastrophe. Deshalb auch hier nochmals ein kurzer Faktencheck: Nach Angaben der Weltgesundheits-Organisation WHO aus dem Jahr 2012 ist durch die Strahlung nach dem AKW-Unglück kein einziger Mensch zu Tode gekommen.

Dennoch wird beinahe jedes Jahr von irgendwelchen Medien oder Politikern diese Tatsache ausgeblendet. Es ist einfach politisch viel wohlfeiler, die Toten kurzerhand zu Opfern der in Deutschland so verhassten und von höchster Stelle abgewendeten Atomkraft ummünzen. Zuletzt war dies 2015 der Fall, als am 11. März im „Nachtmagazin der Tagesschau“ zur Kernschmelze in dem japanischen Reaktor verkündet wurde: „Mehr als 18 000 Menschen kamen als Folge des Unglücks ums Leben.“

In ähnlicher Manier agierte im letzten Jahr auch Bundeskanzlerin Angela Merkel: Während ihres Japan-Besuches einige Tage vor dem vierten Jahrestag der Katastrophe meinte sie, der Nation, während sie den Tsunami-Opfern gedachte, in Sachen Atomkraft die Leviten lesen und die deutsche Energiewende als Exportschlager anpreisen zu müssen. Der direkte Zusammenhang zwischen der japanischen Naturkatastrophe und der deutschen Energiewende erklärt auch, warum es insbesondere in Deutschland so nahe liegt, aus den Naturkatastrophenopfern Atomtote zu machen. Doch zum Glück sind die Japaner stolz genug, um derlei mit einem höflich lächelnden Schweigen zu quittieren – und tags darauf ihre eigenen Entscheidungen zu fällen.

Derartige deutsche Wahrnehmungsverzerrungen traten bereits deutlich früher auf: Am 11. März 2013 vermittelte die „Tagesschau“ der ARD in ihrer Hauptausgabe den Eindruck, in Japan seien in Folge des Reaktorunfalls 16.000 Menschen ums Leben gekommen. In dem Beitrag hieß es wörtlich: „Japan gedenkt heute der Opfer der verheerenden Erdbeben- und Tsunamikatastrophe vor zwei Jahren. Ein Erdbeben der Stärke neun hatte damals den Nordosten des Landes erschüttert und eine bis zu 20 Meter hohe Tsunamiwelle ausgelöst. In der Folge kam es zu einem Reaktorunfall im Kernkraftwerk Fukushima. Dabei kamen ungefähr 16.000 Menschen ums Leben. Tausende gelten immer noch als vermisst.“

Am selben Tag bekleckerte sich die Wochenzeitung „Die Zeit“ ebenfalls nicht mit Ruhm: Auf ihrer Website wurde an jenem Tag der Artikel „Fukushima-Unglück: Japan gedenkt der Hunderttausenden Katastrophenopfer“, in dem es heißt: „Am 11. März 2011 erschütterte ein Erdbeben der Stärke 9,0 den Nordosten Japans, löste einen bis zu 20 Meter hohen Tsunami aus und ließ im Atomkraftwerk Fukushima die Reaktoren kollabieren. Fast 16.000 Menschen starben, mehr als 2.700 Menschen gelten bis heute als vermisst.“

Bis heute kann man auf der Facebook-Seite der grünen Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth ihren Eintrag vom 11. März 2013 lesen: „Heute vor zwei Jahren ereignete sich die verheerende Atom-Katastrophe von Fukushima, die nach Tschernobyl ein weiteres Mal eine ganze Region und mit ihr die ganze Welt in den atomaren Abgrund blicken ließ. Insgesamt starben bei der Katastrophe in Japan 16.000 Menschen, mehr als 2.700 gelten immer noch als vermisst. Hunderttausende Menschen leben heute fernab ihrer verstrahlten Heimat. … Die Katastrophe von Fukushima hat uns einmal mehr gezeigt, wie unkontrollierbar und tödlich die Hochrisikotechnologie Atom ist.“

Also noch einmal zum Mitschreiben: Die Menschen in Japan starben durch ein Erdbeben und einen Tsunami – also durch eine Naturkatastrophe - und nicht in Folge eines zumindest mittelbar vom Menschen verursachten Unglücks. Zur Rechtfertigung der Energiewende die Tausenden japanischen Toten des 11. März 2011 heranzuziehen, ist ein Beleg für eine unglaubliche Arroganz und eine menschenverachtenden Obsession mit eigenen Befindlichkeiten. Ob es in diesem Jahr neue Blüten des Anti-Atom-Mainstreams geben wird? Lassen wir uns überraschen.

Matthias Heitmann ist freier Publizist, Redakteur der BFT Bürgerzeitung und Autor des Buches "Zeitgeisterjagd. Auf Safari durch das Dichicht des modernen politischen Denkens". Seine persönliche Website findet sich unter www.zeitgeisterjagd.de.

Kommentare  

#1 Unsinn!Peter Rachow 2016-03-11 07:52
"Wenn man keine Ahnung hat...", den Rest des Satzes erspare ich mir. Da der Artikel keinerlei Sachkenntnis des Autors zeigt, einige Hinweise:

Stochastische Strahlenschäden bei exponierten Personen zeigen sich mitunter erst Jahrzehnte nach der Exposition. Davon zu reden, durch den Reaktorunfall in Fukushima habe es keine Strahlentoten gegeben, ignoriert also die strahlenmedizin ische Faktenlage.

Die massive Freisetzung von radioaktivem Material erzeugt Umweltschäden in ungeheurem Außmaß, deren Folgen heute noch nicht absehbar sind.

Wer argumentiert, "es sei nachweisbar bis heute kein einziger Passivrauchtote r nachweisbar" argumentiert folgerichtig, es habe bis heute auch keinen einzigen Strahlentoten durch Fukushima gegeben. Dummheit lässt sich auch auf andere Argumentationsf elder übertragen.
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