Mittwoch, 20. September 2017

Was uns antreibt

Bürger für Freiheit und Toleranz e.V. – Selbstverständnis


In einer Demokratie geht die politische Macht vom Volke aus. Politiker werden vom demokratischen Souverän als „Abgeordnete" auf Zeit ins Parlament entsandt, um dort in seinem Sinne politisch zu wirken. Und als Aladin an der Lampe rieb, erschien ihm ein Geist, der ihm verkündete, er könne jeden Wunsch erfüllen. Sie halten die ersten beiden Sätze für ähnlich realistisch wie den dritten? Wenn ja, so ist das zwar eigentlich bedauerlich. Aber dann sind Sie hier zumindest richtig, weil es Ihnen dann ungefähr so geht wie uns.

Der Verein „Bürger für Freiheit und Toleranz e.V." (kurz BFT) will dazu beitragen, dass die beiden ersten Sätze des Textes wieder stärker die Wirklichkeit abbilden und nicht zusammen mit dem dritten in das Reich der Märchen und Sagen absinken. Ein hoch gestecktes Ziel, das zwar nur mit kleinen Schritten erreicht werden kann, aber dadurch nichts an seiner Dringlichkeit verliert. Im Gegenteil, denn die Fähigkeit der Menschen, selbst Verantwortung für sein Handeln zu tragen, wird heute immer stärker infrage gestellt. Die Politik misstraut dem Bürger und greift in sein Privatleben mit immer mehr Gesetzen und Vorschriften ein. Sie hält die Menschen für unfähig, ihr Zusammenleben mit gegenseitiger Rücksichtnahme eigenständig regeln zu können. Das Schlimmste aber daran ist: Wer Bürger lange genug derart bevormundet, schafft eine Situation, die ihn im Nachhinein zu bestätigen scheint. Immer mehr Menschen geben heute nur allzu gerne die Last der Verantwortung ab und damit ihre Freiheit auf. Sie suchen nicht die Freiheit zur Selbstentfaltung, sondern den „Schutz" vor allen möglichen und unmöglichen Risiken.

Viel zu lange schon wird uns eingeflüstert, dass wir unseren „gesunden Menschenverstand", unsere Entscheidungskompetenz und unser Urteilsvermögen nicht überbewerten sollten – zumindest aber nicht die unserer Mitmenschen. Viel zu lange schon lassen wir uns in alle möglichen Bereichen des Lebens hineinreden, angefangen von einem gesunden Lebensstil über Erziehungsfragen bis hin zu Entscheidungen im Kaufverhalten. Das ist nicht „Empowerment", das ist erniedrigend und entmündigend! Und es ist auch paradox, denn an wen geben wir diese moralische Autorität ab? An genau die Politiker, die wir selbst für unglaubwürdig halten, sowie an Verbraucherschutzorganisationen, die zwar auch in unser aller Namen sprechen, dazu von uns aber niemals beauftragt wurden noch sich tatsächlich für unsere Belange interessieren. Verantwortungslose Gewählte und ungewählte Verantwortungs-Apostel nehmen dem aktiven Bürgerengagement jede Luft zum Atmen.

Wie konnte es dazu kommen? Die tief sitzende Partei- und Politikverdrossenheit sowie die gesellschaftliche Fixierung auf unser Konsumverhalten haben dazu beigetragen, dass sich immer Menschen nicht mehr als mündige Staatsbürger, sondern eher als passive „Verbraucher" sehen. Der Unterschied ist mehr als nur ein sprachlicher: Während der „mündige Bürger" darauf beharrt, aktiv, frei und eigenständig informierte Entscheidungen zu treffen und diese auch öffentlich zu verantworten, fordert der Verbraucher – so radikal seine „Stellvertreter" auch auftreten mögen – für sich und sein privates Lebensumfeld den umfassenden staatlichen Schutz vor nahezu allen vorstellbaren und unvorstellbaren Risiken. Somit ist der „Verbraucher" als zuweilen wütender, immer aber ohnmächtiger und überforderter „Verdrossenheitsbürger" gewissermaßen der Gegenentwurf zum freiheitsliebenden und konstruktiv gestaltenden „Citoyen": Denn wenn ihm sogar der Lebensmitteleinkauf als Spießroutenlauf oder die Kindererziehung als Hexenwerk und beide als Expertenjobs erscheinen, die man „dem Pöbel" besser nicht überlässt, wie soll dann ein demokratisches Verantwortungsgefühl für die „große Politik" entstehen?

Aber es gibt auch eine gute Nachricht: Diese Entwicklung – vom Bürger zum Schützling – ist umkehrbar und nicht alternativlos. Es stimmt, dass Menschen in der Regel die Politiker wählen, die sie verdienen. Das sollte uns jedoch nicht Anlass zum Verdruss, sondern vielmehr Ansporn sein, besser zu werden, um Besseres zu verdienen. Es wird Zeit, dass wir uns aus dem Würgegriff der wohlmeinenden Bevormundung befreien und uns den aufrechten Gang wieder angewöhnen. Wir müssen ihn uns nur selbst zutrauen – jeder einzelne Mensch für sich. Und wenn wir uns selbst mehr vertrauen und entsprechend handeln, dann können wir auch anderen Menschen wieder mehr trauen. Denn so anders, so fremdartig, kultur- und verantwortungslos, wie verbreitet wird, sind sie nicht.

„Bürger für Freiheit und Toleranz e.V." glaubt daran und setzt auf Information und mündige Bürger statt auf den „Schutz" vor allen möglichen Gefahren. Wir vertrauen dem Menschen und seinen Fähigkeiten ganz im Sinne der Aufklärung neu. Wir setzen uns ein für das Entstehen einer neuen gesellschaftlichen Vertrauenskultur – denn sie ist das beste Gegengift gegen Unfreiheit und Intoleranz. Dafür brauchen wir weder Wunderlampe noch überirdische Wunscherfüller. Aber wir brauchen dafür Sie!

Mitgliedsanträge und weitere Informationen über den Verein finden Sie unter BFT Service. Vielen Dank und herzlich willkommen, wenn Sie möchten.