Samstag, 04. April 2020

15.04.2015
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That is great, Annegret!

That is great, Annegret!
Eine Berlinerin im Rentenalter bekommt Vierlinge. Matthias Heitmann wünscht alles Gute.

Wann ist man genau richtig alt, um Kinder in die Welt zu setzen? Wer diese Frage meint, allgemeingültig für alle beantworten zu können, möge sich bitte melden. Fakt ist: Eine steigende Zahl Mädchen könnte bereits mit 12 oder 13 Jahren Kinder kriegen. Kaum einer hält das für sinnvoll. Wer will schon Kindern zumuten, gewissermaßen gemeinsam mit ihren Müttern erwachsen zu werden? Ein bisschen älter sollte man also eigentlich schon sein, stimmts?

Ist man mit Anfang 20 persönlich reif genug? Mit Sicherheit stehen hier die Chancen besser als bei einer Teen-Mom. Andererseits haben sich nur wenige junge Frauen mit Anfang 20 schon entschieden, wie sie ihr späteres Leben gestalten wollen, geschweige denn mit wem. Kind oder Karriere? Kerle oder Kinderwägen? Party oder Pampers? Jede junge Frau, die entscheidet, dass sie jetzt noch nicht unbedingt Kinder bekommen muss, erntet großes Verständnis.

Also dann eher mit Ende 20 oder Anfang 30? Ja, macht schon Sinn, irgendwie. Andererseits ist frau da ja beruflich auf dem Höhepunkt der Schaffenskraft, und wenn sie nun, weil sie vielleicht auch nicht nur ein, sondern zwei oder drei Kinder bekommen möchte, für ein paar Jahre aussteigt, wäre sie definitiv raus aus dem Business. Und wozu dann vorher jahrelang studiert und verhütet haben, wenn man dann zur Ernte ausscheidet? Also lieber noch ein paar Jahre auf die Karriereleiter springen und sich dann, weil frau es sich ja nun bewiesen hat, aufs Kinderkriegen konzentrieren? Immerhin könnte frau dann ja auch darauf bauen, dass der potenzielle Vater beruflich so weit gekommen ist, dass nicht mehr beide arbeiten müssen.

Wie jetzt, Kinderkriegen also erst mit Ende 30 oder gar erst Anfang 40? Nun, biologisch ist das ja kaum noch ein Problem heute. Zudem könnte man annehmen, dass ältere Mütter mit beiden Beinen im Leben stehen, einiges erlebt haben und nicht mehr so schnell an ihre eigenen Grenzen kommen wie unsere ambitionierten Karrierefrauen oder die, die es werden wollen. Schon möglich, dass Kinder da entspannter sind. Wenn da nicht die Kerle wären, die gerade dann, wenn es am schönsten ist, anfangen auszuticken! Denn plötzlich stellen die ja in Scharen fest, dass die Welt durchaus jüngere Damen zu bieten hat, die noch nicht so viel erlebt haben.

Außerdem ist gerade die Ankunft in ruhigen Fahrwassern, die objektiv betrachtet gerade perfekt sind, um Kinder aufzuziehen, ein guter Grund dafür, sich noch ein letztes Mal gänzlich neu zu orientieren. Klar war man jahrelang zusammen und kennt sich in und auswendig, ideal zum gemeinschaftlicher Kindererziehung. Aber eben deswegen klingt das ja so verdammt nach altem Ehepaar! Wie wär es denn, stattdessen die eigene Midlife Crisis mit jemand anderem auszuleben? Ist dieser Egoismus besser als der, der älteren schwangeren Frauen vorgeworfen wird?

So, und nun kommen wir zu Annegret. Die 65-jährige Berlinerin erwartet Vierlinge. Wünschen wir ihr doch einfach alles Gute! Warum müssen individuelle Lebensentscheidungen immer gewertet werden, warum lassen wir sie nicht einfach individuelle Lebensentscheidungen sein? Man muss sie ja nicht genauso treffen. Wer will festlegen, dass es Kinder einer älteren glücklichen Mutter schlechter haben werden als die einer jüngeren, die mit ihrem Schicksal hadert? Warum sollen Kinder un den dem Alter der Mutter leiden, warum soll die Mutter der Belastung nicht gewachsen sein, zumal im Falle von Annegret, die ja weiß, worauf sie sich einlässt - immerhin hat sie ja bereits 13 Kinder. Wollen wir in Zukunft Mutterschaft nur noch unter „idealen Bedingungen“ zulassen, also in einer traditionellen Zweierbeziehung, mit einem verheirateten Vater in fester Anstellung, mit Eltern, die beide einen gesunden BMI vorweisen können, niemals geraucht oder sonst irgendetwas getan haben, für das sie sich heute schämen? Wollen wir solche Kinder, oder welche, die sich durchbeißen und Situationen meistern, die nicht jeder kennt?

Natürlich darf jeder Mensch eine Meinung darüber haben, wann es aus seiner Sicht am besten ist, wie viele Kinder zu bekommen. Meine Frage aber lautet: Warum soll mich diese Meinung interessieren? Warum muss eine solche Frage überhaupt öffentlich debattiert und warum muss hier moralisch geurteilt werden? Und vor allen Dingen: Wer legt fest, was verurteilenswert ist und was nicht?

Es reicht nicht aus, immer nur für sich das Recht einzufordern, selbständig Entscheidungen treffen zu dürfen. Wer sich darauf beschränkt, hat missverstanden, um was es bei Freiheit geht. Sein eigenes Freiheitsrecht kann man nur dann effektiv verteidigen, wenn man die Freiheitsrechte anderer verteidigt – gerade auch dann, wenn man mit ihnen nicht übereinstimmt.

Wenn Sie also auch künftig noch selbst entscheiden wollen, ob und wann Sie Kinder bekommen, dann wäre es ratsam, Annegret kräftig die Daumen zu drücken, dass alles gut geht.


Matthias Heitmann ist freier Journalist, Redakteur der BFT Bürgerzeitung und Buchautor. In Kürze erscheint im TvR Medienverlag sein neues Buch „Zeitgeisterjagd“. Seine eigene Website findet sich unter http://www.zeitgeisterjagd.de.

Kommentare  

#9 Flach bis überflüssig IIRob 2015-04-18 03:23
Vielleicht kümmern Sie sich mal um den § 218 und dessen aktuelle Umsetzung. Da werden Frauen wie kleine Kinder behandelt, nicht mündig (genug), eine Entscheidung zu treffen. Das könnte jemand, der für Freiheit fechtet, gehörig nerven. Interessant, dass dieses Thema bislang scheinbar nicht auf Ihrer Agenda stand. Zu Social Freezing und überhaupt zur Frage, was unsere Gesellschaft für Antworten auf die Fragen hat, die sich daraus ergeben, dass Frauen diejenigen sind, die die Kinder kriegen, aber meistens eben auch die Nachteile dessen zu spüren kriegen, warte ich auch noch auf ihre die Freiheit stimulierenden Kommentare. Es wäre schön, wenn die dann mal über "Die dürfen das, und wer noch was sagen will, schränkt deren Freiheit ein" hinaus ginge
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#8 Flach bis überflüssig IIRob 2015-04-18 03:22
Im moralischen Feld verheben Sie sich gehörig. Moralische Wertungen sind Ihrer Meinung nach nicht gestattet, aber, nachdem Sie bereits solche getroffen haben, Ihnen schon. Das ist mindestens ein wenig vermessen.

Und dann wird es ganz absurd: Alle, die weiterhin frei über ihre Fortpflanzung bestimmen wollen, müssen dieser Schwangerschaft alles Gute wünschen. Wenn sie es nicht tun, dann dürfen sie künftig nicht mehr frei über ihre Fortpflanzung entscheiden, oder was soll das heißen?

Sie reden von der Perspektive der werdenden Mutter aus und davon, dass diese alles darf. Dabei sind Ihnen die (hoffentlich gesund zur Welt kommenden Kinder) scheißegal, die bereits existierenden auch und der Rest der Welt sowieso. Sie opfern also Ihrem sehr eingeschränkten Freiheitsbegrif f mindestens die Freiheit der zu gebärenden Kinder. Fast könnte man mutmaßen, dass sie ohnehin nicht von deren Geburt ausgehen.
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#7 Flach bis überflüssig IIRob 2015-04-18 03:21
Zudem verstehe ich den unterstellten Automatismus nicht (Behauptungen, nur Behauptungen, Herr Heitmann!): Ich glaube nicht daran, dass eine 13-fache Mutter ihrem 14. Kind automatisch eine bessere Mutter ist als eine "Neumutter" ihrem Erstgeborenen. Und umgekehrt.

Schließlich wird es fast absurd: Blütenweiße und "perfekte" Eltern/Familien werden solchen gegenübergestel lt, in denen nicht alles oder vielleicht auch nichts perfekt läuft, und es wird gefragt, ob wir Ersteres wollen. Diese Frage stellt sich hier aber gar nicht. Es geht nicht darum, ob *wir* drogenabhängige , gleichgültige usw. Eltern wollen oder doch lieber andere. Es geht darum, ob wir Eltern wollen, die vielleicht dement Kaffee verschütten und von Adenauer erzählen, wenn die Tochter das erste Mal menstruiert. Es geht um Verantwortung.
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#6 Flach bis überflüssig IIRob 2015-04-18 03:21
Sicher gab es Menschen, die keine 30 werden durften, ich kannte solche leider. Die Wahrscheinlichk eit des Krankwerdens und Ablebens steigt aber nun mal mit zunehmendem Alter. Menschen, die mit 72 Jahren an Krebs starben, waren im Allgemeinen die vergangenen sieben Jahre nicht gerade Springinsfelde und ihre Lebensqualität hat sich in diesen Jahren in sehr engen Grenzen definiert. Da war kaum Platz für Hausaufgabenkon trolle oder Liebeskummer. Davon abgesehen zeigt die Lebenserfahrung , dass Menschen um die 70 oder älter selten sehr munter und fit sind, unabhängig davon, ob sie von einer schweren Krankheit getroffen sind. Wenn die Kinder 20 sind, ist die Mutter im Erlebensfall 86. Wenn das nicht dazu anregt, mal TATSÄCHLICH darüber nachzudenken, warum die Kinder das Alter der Mutter als problematisch empfinden könnten oder warum die Mutter dem nicht gewachsen sein könnte.
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#5 Flach bis überflüssig IIRob 2015-04-18 03:20
Dann der Sprung zur schwangeren 65-Jährigen. Dort die Behauptung, dass *immer* individuelle Lebensentscheid ungen gewertet würden. Schon wieder so eine Behauptung. Es folgen nicht ganz unwesentliche, hier aber leider nur rhetorisch gemeinte Fragen: "Warum sollen Kinder un den dem Alter der Mutter leiden, warum soll die Mutter der Belastung nicht gewachsen sein?" (sic) Die Schwangerschaft ist für alle fünf Beteiligte ein Hammerrisiko, was in dem Text und auch in den zitierten pseudo-naiven Fragen komplett untergeht. Vielleicht freuen sich die Kinder, wenn sie von ihrer Mutter noch was haben und sie nicht nur als Fotografie im Flur sehen. Sie können sich ja mal informieren, wie lockerleicht die Ausbildungswege von Waisen verlaufen, wie das dann z.B. mit Bafög und Studium wird (nein, ich will hier keineswegs festlegen, dass die Vierlinge studieren sollen).
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#4 Flach bis überflüssig IIRob 2015-04-18 03:20
Und glauben Sie wirklich, dass die Kassierin bei Aldi tatsächlich dort sitzt, weil sie karrieregeil ist oder sich selbst verwirklichen will? Vielleicht braucht sie einfach das Geld? Und ihr Mann und ihre Kinder auch? Und warum schließlich wird die Erwerbstätigkei t von Frauen hier so verhandelt, als sei sie entweder ein unnötiges Surplus zu dem, was der Gatte sowieso erwirtschaftet, oder eben das leidige Übel dieser Karriereemanzen ?
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#3 Flach bis überflüssig IIRob 2015-04-18 03:19
Da müssen Sie sich schon fragen lassen, in welchem Jahrzehnt des letzten Jahrhunderts Sie verhaftet sind. Jedenfalls kennen Sie den derzeitigen Arbeitsmarkt nicht und schon gar nicht die Verhältnisse, unter denen Menschen zwischen 25 und 45 arbeiten. Implizit sagen Sie ja damit auch, dass es gut wäre, wenn der Mann arbeitet und die Frau eben nicht, weil sie Kinder kriegt. Was macht denn dann Ihrer Meinung nach die Frau mit dem Rest ihres Lebens? In all den Stunden am Tag, wenn mal keine Kinder zu betreuen sind? Oder in all den Jahren, wenn die Kinder aus dem Haus sind? Sollen diese Frauen Ihrer Meinung nach wirklich alle mit Seidenmalerei anfangen?
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#2 Flach bis überflüssig IIRob 2015-04-18 03:18
Erst werden ein paar Vor- und Nachteile des Kinderkriegens in ein paar Lebensaltern aufgezählt, keineswegs erschöpfend das Ganze. Das soll es wohl auch nicht sein, hätte man trotzdem besser lösen können. Denn der Leser wird so eher irritiert, als dass er ins Thema reingezogen würde.

Denn es wirkt schon seltsam: Es wird behauptet, dass Frauen (oder nur solche mit Kinderwunsch? Wird hier nicht klar.) üblicherweise mit Ende 30, Anfang 40 zum Vorteil von Jüngeren von ihren Männern verlassen werden. Und, der Seltsamkeiten zweiter Teil, es wird behauptet, dass in einem gewissen Alter der Vater schließlich in der Lage wäre, sich selbst, Frau, Kinder und alles, was da mit dran hängt, zu finanzieren.
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#1 Flach bis überflüssigRob 2015-04-18 03:17
Dieser Text ist flach und letztlich überflüssig, weil er fast alles, was es zum Thema zu sagen gäbe, ausblendet. Es kommt hinzu, dass der Autor erkennbar über das Thema kaum nachgedacht hat, sondern einem wodurch auch immer ausgelösten Reflex folgt.
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