Freitag, 18. Oktober 2019

27.08.2015
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Maas(ist)voll: Schöner Leben = Hässliches löschen!

Maas(ist)voll: Schöner Leben = Hässliches löschen!
Liebe Frau Merkel,

ich wende mich jetzt einfach mal direkt an Sie. Man erreicht Sie ja sonst kaum. Ich wollte Ihnen das aber nun einmal direkt sagen: Mir reicht es langsam! Man kann gar keine Nachrichtensendungen mehr gucken, ohne dass man total schlechte Laune bekommt. Überall Krieg, Gewalt und Elend! Sogar bei uns daheim schlagen sich die Leute die Schädel ein! Und warum das alles? Ich blicke da langsam gar nicht mehr durch. Sie manchmal auch nicht, was?

Aber Sie haben sich ja in diesem Jahr öfter einmal mit „normalen Bürgern“ getroffen, um sich von denen sagen zu lassen, was sie eigentlich unter einem guten Leben verstehen. Ich finde es gut, dass Sie sich bei den ganzen Krisen weltweit tatsächlich auch für solche, eigentlich naheliegenden Fragen konkret interessieren. Aber offenbar schaffen Sie es nicht, das, was die Bürger ihnen gesagt haben, in die Tat umzusetzen. Sie reden und reden mit den Leuten, und die Nachrichten werden jeden Tag schlimmer! Dabei wollen doch die meisten Menschen einfach nur ihre Ruhe. Sie wollen keine schlechten Nachrichten mehr hören, keine schlechte Laune mehr haben, überall von Krisen etc. hören. Immerhin Frau Merkel, es ist Sommer, irgendwann muss auch mal Schluss sein!

Wenn man darüber nachdenkt, wie schön das Leben sein könnte, kommt man schon mal ins Träumen. Ach, was wäre das schön, wenn es zum Beispiel jemanden gäbe, der sicherstellt, dass mir niemand unangenehme Post in meinen Briefkasten steckt. Oder noch besser jemand, der verhindert, dass böse Briefe überhaupt abgeschickt werden. Oder vielleicht sogar jemand, der verhindert, dass jemand böse Briefe schreibt und überhaupt böse Gedanken denkt. Was wäre die Welt für ein schöner Ort, wenn wir das Böse einfach ausblenden könnten! Ich habe das einmal in einem Gedicht von Erich Fried: „Die Narren werden geschlachtet, die Welt wird weise. Die Hässlichen werden geschlachtet, die Welt wird schön“, hatte der geschrieben und das Gedicht „Die Maßnahmen“ genannt. Ja, Frau Merkel, oder wer für sowas zuständig ist, das wäre doch wirklich mal eine Maßnahme!

Ach so, so etwas Ähnliches plant Ihr in Berlin gerade? Is ja en Ding, das habe ich gar nicht gewusst! Der Bundesjustizminister Heiko Maas hat Facebook in einem Brief dazu aufgefordert, böse Nachrichten schneller zu löschen, am besten, bevor man sie liest? Ich hätte gar nicht gedacht, dass man dem Facebook einen „Brief“ schreiben kann! Wäre ja aber echt toll, wenn sich der Maas, während andere Politiker im Sommerurlaub unglaublich dumme Dinge auf Facebook oder sonstwo posten, darum gekümmert hätte! Dann könnte man vielleicht endlich bald wieder unbeschwert im Internet surfen. Ist ja auch wirklich ein Spießroutenlauf geworden. Überall diese Fotos von halb ertrunkenen Flüchtlingen und von Leuten, die gegen – wogegen eigentlich? Gegen die Flüchtlinge oder gegen das Ertrinken – protestieren und aus lauter Verzweiflung die Sporthallen ihrer eigenen Sportvereine oder der Schulen ihrer Kinder anzünden. Da muss die Verzweiflung schon groß sein…

Ach so, die Fotos ertrunkener Flüchtlinge sollen im Facebook drinnen bleiben, nur die Demonstrantenfotos sollen raus? Also, das finde ich aber nicht so konsequent! Entweder Sie wollen unser Leben nun schöner machen oder nicht! So ist das doch total einseitig! Finden Sie Fotos von halb ertrunkenen Menschen schön?!?! So manchmal frage ich mich schon, was Ihr Politiker da oben von uns Bürgern haltet. Also ob solche Fotos nicht auch wirklich verletzend wären! Die Leute sind viel feinfühliger, als Sie scheinbar denken! Wenn es wirklich darum geht, die Welt schöner zu machen, dann müssen noch ganz andere Sachen gelöscht werden! Aber das müssten Sie ja hinkriegen, Frau Merkel und Herr Maas, Neuland hin, Digi-Tal der Ahnungslosen her.

Manchmal, ich gebe es zu, stört mich sogar die Nase meines Nachbarn, und ich wünschte, ich könnte da einfach auf so einen Knopf drücken, und weg wäre sie. Andererseits wäre ich aber natürlich dagegen, ihm auch so einen Knopf zu geben. Der hat einfach gar keinen Geschmack! Am besten, Sie, Frau Merkel und Herr Maas, behalten diese Knöpfe alle für sich und rücken sie nicht heraus. Den Leuten ist ja nicht zu trauen. Was damit für ein Schindluder angestellt werden könnte, so mit Zensur und so. Und außerdem einigt man sich ja auch eh nie, ob nun etwas zu löschen ist oder nicht. Und dann gibt’s wieder Ärger und Demonstrationen. Schon besser, Sie entscheiden, was böse und hässlich ist und was nicht. Und lieber mehr löschen als zu wenig. Vielleicht ist dann endlich wieder Ruhe! Ach was, löschen Sie doch einfach alles! Und wenn Sie ihn gelesen haben, vielleicht auch diesen Brief.

Schöne Grüße nach Berlin.


Matthias Heitmann ist freier Publizist und Redakteur der BFT Bürgerzeitung. Im Juli 2015 ist im TvR Medienverlag Jena sein Buch „Zeitgeisterjagd. Safari durch das Dickicht des modernen politischen Denkens“ erschienen (197 S., 19,90 EUR). Mehr Informationen finden sich auf seiner Website www.zeitgeisterjagd.de.

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