Freitag, 18. Januar 2019

VIGNETTE | Alltags-Alarmismus

VIGNETTE | Alltags-Alarmismus
In immer mehr Geräten und Maschinen werden akustische Alarmsignale eingebaut. Wer sich im Auto nicht anschnallt, die Kühlschranktür offen lässt oder auf der (abgeschalteten!) Herdplatte ein Holzbrett ablegt, wird nach Sekunden oder Minuten akustisch vehement an sein Vergehen erinnert. Gerätehersteller gehen dabei auf Nummer sicher: Die Pieptöne können meist auch mit Voreinstellungen nicht deaktiviert werden. Man will auf Nummer sicher gehen und jedes Risiko ausschalten.

„Menschliches Versagen“ soll an der Wurzel gepackt werden. Doch mit der Minimierung von Risiken reißt man auch eine der größten Errungenschaften der Aufklärung aus – das Vertrauen in den Menschen. Man spricht ihm den Verstand ab, mit Gefahren umgehen zu können und schon selbst zu wissen, ob man schnell noch ein paar Zentimeter mit dem Auto zurücksetzt und unangeschnallt einparkt, die Herdfläche als kurze Ablage benutzt oder für’s Einräumen nach dem Großeinkauf die Kühlschranktür einen Tick länger offen lässt.

Wie Politiker wollen Gerätehersteller den Menschen vor sich selbst schützen. Übersehen wird dabei, dass vor lauter vermeintlichem Beschützen nur Stress und Verunsicherung entsteht. Dass damit erst eine Gefahr entsteht, die vermieden werden soll – wie beim Nachbarn, der sich beim Einparken nicht anschnallte und durch den Piepton so erschrak, dass er einen Moment nicht Acht gab und auf das vor ihm stehende Auto auffuhr.

Libera



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