Montag, 27. Mai 2024

18.03.2016
| Gesellschaft | 0 | Drucken

Holzpellet-Heizungsboom: Waldvernichtung mit ökologisch reinem Gewissen?

Holzpellet-Heizungsboom: Waldvernichtung mit ökologisch rein...
„Wie grün ist die Energie aus dem Wald?“ So lautet der auf der Website des Verlags Spektrum der Wissenschaft erschienenen Artikel des freien Wissenschaftsjournalisten Gunther Willinger. Dieser nimmt sich dort eines Themas angenehm sachlich und kritisch an, das im medialen Alltag viel zu selten in dieser Form behandelt wird. Denn seit Jahren erlebt die Energiegewinnung aus Holz in Europa eine Renaissance. In Deutschland wurde im Jahr 2010 erstmals mehr Holz verbrannt als stofflich genutzt, 2014 kam knapp ein Drittel der erneuerbaren Energien aus der Holzverbrennung.

Doch die starke Nachfrage nach Energieholz hat Konsequenzen und verändert die Forstwirtschaft. Und das sollte auch zu neuen Fragestellungen führen, etwa der folgenden: „Was können wir dem Wald zumuten?“ In einem gut lesbaren, ruhigen Stil widmet sich Willinger der Holzverbrennung, die in den politischen und gesellschaftlichen Diskursen noch immer als Inbegriff des Wohlfühl-Umweltschutzes gilt.

Interessant sind auch die Experten, die Willinger zu Wort kommen lässt, wie etwa Rainer Luick von der Hochschule für Forstwirtschaft in Rottenburg, der mit der „Nachhaltigkeit“ einen weiteren ökologischen Schlüsselbegriff in ein öffentlich so eher selten wahrgenommenen Zusammenhang setzt: „Den Luxus, dass wir unsere Wälder nachhaltig bewirtschaften können, haben wir erst seit den 1950er und 1960er Jahren, als man beim Heizen zu Kohle und Öl übergegangen ist.“

Ebenfalls sehr lesenswert ist Willingers vorheriger Artikel zu diesem Themenkomplex, der unter dem Titel „Wie Holzpellets die Wälder ruinieren“ ebenfalls bei Spektrum erschienen ist. Auch hier findet Willinger bei aller Wissenschaftlichkeit deutliche Worte: „Rund die Hälfte der erneuerbaren Energie in Europa wird mit Hilfe einer archaischen Technologie gewonnen: Dem Verbrennen von Holz. Kohlekraftwerke verstromen im Namen des Klimaschutzes Hunderttausende Tonnen Holz. Scheitholz, Pellets und Hackschnitzel ersetzen Gas- und Ölfeuerungen. Aber wie nachhaltig und umweltschonend ist diese Rückbesinnung auf Holz als Energieträger und wo kommt das Holz dafür her?“


Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren


Facebook Kommentar