Mittwoch, 01. April 2020

15.06.2015
| Gesellschaft | 0 | Drucken

Helikopter-Eltern: Getrieben von Paranoia und Misanthropie

Helikopter-Eltern: Getrieben von Paranoia und Misanthropie
"Wenn Eltern von ihrer Kindheit erzählen, wird es meistens romantisch. Sie schwärmen von nicht enden wollenden Nachmittagen, an denen sie mit ihren Freunden durch die Straßen zogen, herumalberten, Klingelmännchen spielten und Zigarettenkippen sammelten. Sie träumen von der Zeit, als sie in ihren Zimmern abhingen, an die Decke starrten, ihren Barbie-Puppen die Haare abschnitten und Löcher in die Tapete bohrten. Sie schwärmen von einem Leben, in dem sie stundenlang sich selbst überlassen waren - unkontrolliert, unbeobachtet, ungefördert."

So beginnt der überaus lesenswerte Artikel "Helikopter-Eltern: Lasst uns in Ruhe" von Anke Schipp, der am 15.6.2015 auf der Website der Frankfurter Allgemeinen Zeitung veröffentlicht wurde. Schipp thematisiert die negativen Folgen der Überbehütung sowie die Risikobesessenheit unserer Gesellschaft, die einher geht mit dem Verlust der Zuversicht und der Fähigkeit, Zustände richtig zu bewerten und zu antizipieren: "Überall wittern Eltern Gefahren - doch in den meisten Fällen sind das welche, die es schon immer gab. Uns ist heute bloß die Zuversicht abhanden gekommen."

Was im Verhältnis zwischen Eltern und Kindern zu beobachten ist, wiederholt sich auf unsägliche Weise auf der Ebene der Politik: In dem Maße, in dem die Politik Bürger wie unmündige Kinder behandelt werden, setzt auch hier die Helikopterei ein - nur dieses Mal auch mit echten Fluggerätschaften wie z.B. Drohnen. Was folgt daraus:  Die Spirale der Bevormundung muss bei den Erwachsenen durchbrochen werden. Nur selbstbewusste und mündige Eltern werden verstehen, dass Kinder Freiheiten brauchen, um selbst zu selbstbewussten und mündigen Erwachsenen zu werden. Hierzu bedarf es auch des Vertrauens gegenüber anderen, ja, auch gegenüber FREMDEN Menschen.

Der Keim einer neuen Vertrauenskultur muss in der Erwachsenenwelt gesetzt werden, sodass Kinder in einer solchen Kultur aufwachsen können. Kinder können nur dann Kinder sein, wenn Erwachsene sich trauen und es selbst erstrebenswert finden, erwachsen zu sein!

Matthias Heitmann ist freier Publizist. In Kürze erscheint im TvR Medienverlag sein Buch „Zeitgeisterjagd. Safari durch das Dickicht des modernen politischen Denkens“. Seine eigene Website findet sich unter www.zeitgeisterjagd.de.




Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren


Facebook Kommentar