Donnerstag, 09. April 2020

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Aktuelle Meldungen

  • Grenzen dicht in Europa - bleiben bald die Regale leer?

    In der Coronavirus-Krise haben etliche EU-Länder einseitig Grenzkontrollen und Einreisestopps verhängt. Aber kann das gutgehen in einem gemeinsamen Binnenmarkt? Gesucht wird dringend eine einheitliche Lösung.

    Brüssel (dpa) - Nach der Schließung etlicher europäischer Grenzen in der Coronakrise sucht die Europäische Union eine gemeinsame Linie, um Lieferprobleme und die Gefahr leerer Regale abzuwenden.

    EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen beriet am Samstag mit ihrem Krisenteam und wichtigen Mitgliedsstaaten. Es gehe darum, Menschen zu schützen und doch den Warentransport aufrecht zu erhalten, schrieb von der Leyen auf Twitter. Auch Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) forderte ein abgestimmtes Vorgehen an den Grenzen.

    Von der Leyen hatte sich am Freitag gegen einseitige Einreisestopps oder Grenzkontrollen in der EU gewandt und nur Gesundheitschecks an den Grenzen befürwortet. Im gemeinsamen Schengenraum sind Kontrollen eigentlich nicht vorgesehen, sondern nur als Ausnahme möglich. Dennoch riegeln inzwischen etliche der 27 EU-Staaten Grenzen ab, darunter Dänemark, Polen, die Slowakei, Tschechien und Österreich. Auch Deutschland lässt verstärkt kontrollieren, unter anderem an der Grenze zu Frankreich. Jeder Staat hat dabei eigene Regeln, teils wird die Einreise nur nach Nationalität erlaubt, unabhängig vom Risiko einer Infektion mit dem Coronavirus.

    Länder wie Dänemark und Polen haben zwar Lastwagen mit wichtigen Gütern wie Lebensmitteln vom Einreisestopp ausgenommen. Trotzdem wächst die Sorge, dass der wirtschaftlich eng verflochtene EU-Binnenmarkt ernsthaft gestört und letztlich auch bei Dingen des täglichen Bedarfs der Nachschub knapp werden könnte.

    Von der Leyen arbeite an einem Vorschlag für einheitliche und sinnvolle Maßnahmen an den Grenzen, um Versorgungsengpässe abzuwenden, hieß es am Samstag in EU-Kreisen. Sorge bereite einigen Staaten auch möglicher «Medizintourismus» aus Drittstaaten, also die Einreise von Patienten, die in der Coronavirus-Krise Kapazitäten blockieren könnten.

    Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte sich am Freitag für strengere Kontrollen und Einreisebeschränkungen an den Grenzen des Schengenraums ausgesprochen. Ziel sei es, die Reiseströme aus Gebieten, in denen das Virus verstärkt auftritt oder künftig auftreten wird, sowie aus Drittländern zu begrenzen und so Druck von den Gesundheitssystemen im Schengenraum zu nehmen.

    Bundesinnenminister Seehofer kam in einem Telefonat mit seinem französischen Kollegen Christophe Castaner überein, «dass wir hier dringend eine europäische Koordinierung brauchen». Der CSU-Politiker erklärte am Samstag: «Der Schutz unserer Bevölkerung erfordert auch Maßnahmen, um das Infektionsrisiko in Folge des globalen Reiseverkehrs einzudämmen.»

    Die Staaten Europas müssten sich eng abstimmen. «Es hilft in unserem gemeinsamen Schengenraum niemandem, wenn die Menschen nach Paris fliegen, weil in München stärker kontrolliert wird», betonte der Minister. Auch die Maßnahmen an der deutsch-französischen Grenze müssten einerseits wirksam, aber auch verhältnismäßig sein.

    US-Präsident Donald Trump hatte diese Woche in der EU Empörung mit einem Einreisestopp für Passagiere aus dem Schengenraum ausgelöst. Allerdings verfahren immer mehr Länder ähnlich, um die Ausbreitung von Covid-19 zu bremsen. Auch die Türkei verbot am Samstagmorgen die Einreise für Bürger aus Deutschland und acht weiteren europäischen Ländern auf unbestimmte Zeit. Flüge in die neun Länder werden bis zum 17. April ausgesetzt.

  • Europäische Länder beschränken Einreise - Neue Risikogebiete

    Die Coronavirus-Epidemie bringt immer mehr Einschränkungen für den Reiseverkehr. Deutsche Behörden stufen Regionen in Österreich und Spanien als Risikogebiete ein. Supermärkte verzeichnen einen Nachfrageschub.

    Berlin (dpa) - Im Kampf gegen die Ausbreitung der neuartigen Coronavirus erlassen immer mehr Länder Einreisebeschränkungen. Gleichzeitig stuft das Robert Koch-Institut weitere Regionen als Risikogebiete ein. Zum Stand der Dinge am Sonntag:

    EINREISEBESCHRÄNKUNGEN

    Mehrere Länder haben am Wochenende Einreisebeschränkungen wegen des Coronavirus verhängt. So schloss Dänemark am Samstag die Grenzen bis zum 13. April. Ausländer dürfen nur bei besonderen Gründen ins Land. Einen ähnlichen Einreisestopp verhängten Polen und Tschechien. Einreisen in die Türkei sind nun ebenfalls für Bewohner mehrerer europäischer Länder verboten.

    NACHFRAGESCHUB IN SUPERMÄRKTEN

    Geschlossene Schulen und Kitas, Kantinen im Notbetrieb, leere Kneipen und Cafés: Das Coronavirus und die zunehmenden Einschränkungen im Alltag schlagen sich auch im Konsumverhalten nieder: Es wird wieder mehr zu Hause gekocht und gegessen - Gaststätten als «öffentliche Wohnzimmer» werden gemieden. Das dürfte nach Beobachtungen des Lebensmittelhandels und von Branchenexperten dazu führen, dass in Supermärkten anders und mehr eingekauft wird. Auch Lieferdienste profitieren momentan. Auf Großkunden spezialisierte Lebensmittelhändler dagegen müssten mit deutlichen Einbußen rechnen, so die Fachleute. Die prekäre Situation für Hotels und Gaststätten schlage bei Großhändlern und Großmärkten durch.

    Der Nachfragerückgang von Gastronomen, Hotels, Kitas und Kantinen sei deutlich spürbar, sagt Marcus Schwenke, Geschäftsführer des Großhandelsverbandes Foodservice. Einbrüche seien leicht zeitversetzt zum Gastgewerbe zu erwarten. Sollten Insolvenzen in der Gastronomiebranche zunehmen, könne dies dramatische Folgen für Großhändler haben - noch weit nach dem Pandemie-Ende, fürchtet der Verband, der Anbieter wie Metro und Selgros/Transgourmet vertritt.

    SEEHOFER FÜR EINHEITLICHES EUROPÄISCHES NIVEAU BEI EINREISEKONTROLLEN

    Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sprach sich für ein abgestimmtes Vorgehen bei Grenzkontrollen in Europa aus. «Der Schutz unserer Bevölkerung erfordert auch Maßnahmen, um das Infektionsrisiko in Folge des globalen Reiseverkehrs einzudämmen», sagte er am Samstag. Die Staaten Europas könnten hier nur erfolgreich sein, wenn sie in Abstimmung miteinander agierten. «Es hilft in unserem gemeinsamen Schengenraum niemandem, wenn die Menschen nach Paris fliegen, weil in München stärker kontrolliert wird», betonte der Minister.

    SCHULSCHLIEßUNGEN AUCH IN MECKLENBURG-VORPOMMERN

    Wegen der Coronavirus-Pandemie bleiben von Montag an auch in Mecklenburg-Vorpommern Schulen und Kitas flächendeckend geschlossen. Das verkündete Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) am Samstag am Rande einer Sondersitzung ihres Kabinetts. Die Landesregierung in Schwerin folgt damit den Entscheidungen der meisten anderen Bundesländer. Damit haben nun alle Länder ihre Linie vorerst festgelegt.

    Nächste Woche werden in 13 Bundesländern flächendeckend die Schulen geschlossen: Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz, das Saarland, Berlin, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern. Sachsen will am Montag zunächst die Schulpflicht aussetzen; Lehrer, Schüler und Eltern sollen auf diese Weise Zeit bekommen, sich auf Schulschließungen vorzubereiten. Brandenburg setzt den regulären Schulunterricht von Mittwoch an vorerst aus. Der Schulbesuch ist damit weiter möglich, aber nicht mehr verpflichtend. Eine ähnliche Regelung gibt es in Hessen ab Montag.

    RKI STUFT TIROL UND MADRID ALS RISIKOGEBIETE EIN

    Das Robert Koch-Institut (RKI) hat die internationalen Coronavirus-Risikogebiete ausgeweitet: Seit Freitagabend gelten auch das Bundesland Tirol in Österreich und die spanische Hauptstadt Madrid offiziell als Gebiete, in denen eine fortgesetzte Virus-Übertragung von Mensch zu Mensch vermutet werden kann. Derzeit gilt dies außerdem für Italien und Iran sowie die französische Region Grand Est (Elsass, Lothringen und Champagne-Ardenne) und Provinzen in China und Südkorea.

    VERANSTALTUNGSWIRTSCHAFT FÜRCHTET VERHEERENDE FOLGEN

    Der Präsident des Bundesverbands der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft, Jens Michow, warnte vor schwerwiegenden Folgen für seine Branche durch die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus. «Wenn derartige Veranstaltungsabsagen nur über zwei, drei Wochen erfolgen müssen, werden sich zahlreiche Firmen davon nicht wieder erholen können», sagte er der Deutschen Presse-Agentur mit Blick auf die Vielzahl der abgesagten Veranstaltungen wegen des Virus Sars-CoV-2.

    In der Veranstaltungsbranche herrsche laut Michow zurzeit Ratlosigkeit. Die Bundesländer entschieden jeweils unterschiedlich, ob sie Großveranstaltungen ab 1000 Teilnehmern verbieten oder nicht. «Wir erleben derzeit nicht nur in unserer Branche, sondern in der Wirtschaft allgemein das Problem, dass auf der ganzen Ebene klare Ansagen fehlen», kritisierte er. Bisher gebe es nur Empfehlungen zu Absagen, die den Unternehmen aber keine Planungssicherheit böten.

    SC PADERBORN STELLT TEILE DES BUNDESLIGA-TEAMS UNTER QUARANTÄNE

    Nach dem positiven Coronavirus-Test bei Fußballprofi Luca Kilian stellte der SC Paderborn am Samstag Teile seiner Mannschaft für 14 Tage unter häusliche Quarantäne. Zuvor hatte der Teamarzt insgesamt 45 Tests auf das Virus bei Spielern und Betreuern durchgeführt, wie der Fußball-Bundesligist mitteilte. Die Ostwestfalen sind der erste Erstliga-Club, der zu dieser Maßnahme greift. In der Zweiten Liga war dies bereits bei Hannover 96 und beim 1. FC Nürnberg geschehen.

  • Schulschließungen nun auch in Mecklenburg-Vorpommern

    Andere Länder haben es schon verkündet, nun zieht auch Mecklenburg-Vorpommern nach: Schulen und Kitas sind von Wochenbeginn an geschlossen.

    Schwerin (dpa) - Wegen der Coronavirus-Pandemie bleiben von Montag an auch in Mecklenburg-Vorpommern Schulen und Kitas flächendeckend geschlossen.

    Das verkündete Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) am Samstag am Rande einer Sondersitzung ihres Kabinetts. Die Landesregierung in Schwerin folgt damit den Entscheidungen der meisten anderen Bundesländer.

    Schwesig hatte als Reaktion auf die deutlich steigenden Infektionsfälle in Deutschland und auch in Mecklenburg-Vorpommern ihre Minister zu einer Sondersitzung zusammengerufen, um über geeignete Maßnahmen gegen die schnelle Ausbreitung des neuartigen Coronavirus zu beraten.

    Bis Freitagabend waren landesweit 33 nachgewiesene Infektionen bekannt geworden, 10 mehr als am Tag zuvor. Größere Sport- und Kulturveranstaltungen im Nordosten wurden abgesagt, die Hochschulen verlängerten vorsorglich die Semesterferien bis Mitte April.

    Damit haben jetzt alle Länder ihre Linie vorerst festgelegt. Nächste Woche werden nunmehr in 13 Bundesländern flächendeckend die Schulen geschlossen: Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz, das Saarland, Berlin, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern.

    Sachsen will am Montag zunächst die Schulpflicht aussetzen; Lehrer, Schüler und Eltern sollen auf diese Weise Zeit bekommen, sich auf Schulschließungen vorzubereiten. Den genauen Zeitpunkt will die Landesregierung kommende Woche festlegen. Brandenburg setzt den regulären Schulunterricht von Mittwoch an vorerst aus. Der Schulbesuch ist damit weiter möglich, aber nicht mehr verpflichtend. Eine ähnliche Regelung gibt es in Hessen ab Montag.

  • Schulschließungen nun auch Mecklenburg-Vorpommern

    Andere Länder haben es schon verkündet, nun zieht auch Mecklenburg-Vorpommern nach: Schulen und Kitas sind von Wochenbeginn an geschlossen.

    Schwerin (dpa) - Wegen der Coronavirus-Pandemie bleiben von Montag an auch in Mecklenburg-Vorpommern Schulen und Kitas flächendeckend geschlossen.

    Das verkündete Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) am Samstag am Rande einer Sondersitzung ihres Kabinetts. Die Landesregierung in Schwerin folgt damit den Entscheidungen der meisten anderen Bundesländer.

    Schwesig hatte als Reaktion auf die deutlich steigenden Infektionsfälle in Deutschland und auch in Mecklenburg-Vorpommern ihre Minister zu einer Sondersitzung zusammengerufen, um über geeignete Maßnahmen gegen die schnelle Ausbreitung des neuartigen Coronavirus zu beraten.

    Bis Freitagabend waren landesweit 33 nachgewiesene Infektionen bekannt geworden, 10 mehr als am Tag zuvor. Größere Sport- und Kulturveranstaltungen im Nordosten wurden abgesagt, die Hochschulen verlängerten vorsorglich die Semesterferien bis Mitte April.

    Damit haben jetzt alle Länder ihre Linie vorerst festgelegt. Nächste Woche werden nunmehr in 13 Bundesländern flächendeckend die Schulen geschlossen: Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz, das Saarland, Berlin, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern.

    Sachsen will am Montag zunächst die Schulpflicht aussetzen; Lehrer, Schüler und Eltern sollen auf diese Weise Zeit bekommen, sich auf Schulschließungen vorzubereiten. Den genauen Zeitpunkt will die Landesregierung kommende Woche festlegen. Brandenburg setzt den regulären Schulunterricht von Mittwoch an vorerst aus. Der Schulbesuch ist damit weiter möglich, aber nicht mehr verpflichtend. Eine ähnliche Regelung gibt es in Hessen ab Montag.

  • Merkel: Veranstaltungen bis hinein in die Familien vermeiden

    Berlin (dpa) - Mit Blick auf die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) jeden Einzelnen dazu aufgerufen, mit dem eigenen Verhalten Menschen mit Vorerkrankungen zu schützen.

    Die Entwicklung von Impfstoffen und Medikamenten werde dauern, sagte Merkel in ihrer heute verbreiteten wöchentlichen Videobotschaft. Daher sei es nun wichtig, soziale Kontakte weitgehend einzustellen, «wo immer das möglich ist».

    «Jeder und jede kann mit seinem und ihrem persönlichen Verhalten dazu beitragen, dass sich die Geschwindigkeit, in der Menschen infiziert werden, so verlangsamt, dass unser Gesundheitssystem nicht überfordert wird», sagte Merkel. Sie rief die Bürger auf, Veranstaltungen zu meiden, die nicht notwendig seien, bis hinein ins familiäre Umfeld. «Wir helfen damit ganz konkret Menschen und können Solidarität in der Gesellschaft zeigen.»

    Das Coronavirus sei «eine riesige Herausforderung für uns in Deutschland», sagte Merkel. «Eine Herausforderung, wie wir sie seit langem nicht gekannt haben. Und genauso, wie es uns geht, geht es vielen Ländern, den allermeisten Ländern auf der Welt.»

  • RKI stuft Tirol und Madrid als Risikogebiete ein

    Berlin (dpa) - Das Robert Koch-Institut (RKI) hat die Coronavirus-Risikogebiete ausgeweitet: Nun gelten auch das Bundesland Tirol in Österreich und die spanische Hauptstadt Madrid offiziell als Gebiete, in denen eine fortgesetzte Virus-Übertragung von Mensch zu Mensch vermutet werden kann.

    Derzeit gelten außerdem als solche Orte: die Länder Italien und Iran sowie die Region Grand Est (Elsass, Lothringen und Champagne-Ardenne) und Provinzen in China und Südkorea.

    In Tirol wurden nach Angaben der Behörden seit Freitagabend weitere 34 Menschen positiv auf das Virus Sars-CoV-2 getestet, davon 21 mit Verbindungen zum Paznauntal mit den Touristenorten Ischgl und Galtür sowie St. Anton. Die Regierung hat beide Regionen am Freitag unter Quarantäne gestellt. Am Samstag kam auch Heiligenblut in Kärnten mit seinem Skigebiet unter Quarantäne. Ausländische Gäste durften abreisen.

  • Berliner Clubs und Bars seit diesem Wochenende geschlossen

    Berlin (dpa) - Der Plan des Berliner Senats, angesichts der Krise durch das Coronavirus ab der kommenden Woche Kneipen und Clubs schließen zu lassen, hat schon an diesem Wochenende für den Stillstand der Tanzszene gesorgt.

    Fast alle bekannten Clubs öffneten schon am Freitagabend nicht mehr und wollten auch am (heutigen) Samstag und dann die nächsten fünf Wochen geschlossen bleiben. Auch viele Kneipen in den Innenstadtbezirken wurden am Freitagabend nicht mehr von so vielen Menschen besucht wie sonst am Wochenende. Barkeeper und Kellner sagten, die Auswirkungen des Virus seien deutlich zu spüren und es kämen weniger Menschen.

    Zu den bereits geschlossenen Clubs gehörten das etwas freizügigere Kitkat und der bekannte Tresor in Mitte, das Sisyphos in Lichtenberg, die Clubs Kater Blau, Wilde Renate und Suicide in Friedrichshain sowie Watergate und Ritter Butzke in Kreuzberg. Die Clubs bezogen sich in Mitteilungen auf ihren Internetseiten auf den Senat und die Gefahr durch das Virus. «Ihr wisst, wir lieben kranke Partys», schrieb etwa das Sisyphos. «Aber das gerade geht auch uns zu weit.»

    Der Berliner Senat hatte am Freitag angekündigt, ab dem kommenden Dienstag müssten alle Kneipen und Clubs schließen.

  • Schulschließungen: Rufe nach Betreuungslösungen für Eltern

    Berlin (dpa) - Angesichts der bevorstehenden Schul- und Kita-Schließungen wird der Ruf nach schnellen Lösungen für berufstätige Eltern laut.

    Die SPD-Vizevorsitzende Anke Rehlinger forderte gesetzliche Änderungen, um Eltern eine Betreuung ihrer Kinder zu erleichtern. «Im schlimmsten Fall müssen Eltern dafür unbezahlten Urlaub nehmen, wenn der Arbeitgeber keine kulanten Lösungen wie Home-Office oder Überstundenabbau anbietet», sagte Rehlinger der Düsseldorfer «Rheinischen Post» (Samstag).

    «Eine Möglichkeit könnte sein, die Regelung zu erweitern, mit der ich schon heute zehn Tage mein Kind betreuen kann, wenn es krank ist. Das könnte auf staatlich angeordnete Schulschließungen erweitert und die mögliche Dauer verlängert werden». Weil damit die Lohnfortzahlung zulasten der Krankenkassen ginge, sollten die Kosten dann aus dem Bundeshaushalt ausgeglichen werden, schlug Rehlinger vor.

    Der Deutsche Städte- und Gemeindebund forderte die Arbeitgeber auf, ihren Beschäftigten entgegenzukommen und mit ihnen «flexible Lösungen» zu finden. Diese gelte auch für die Kommunen. Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg sagte der «Welt»: «Es wäre sicher hilfreich, wenn die zuständigen Landesbehörden entsprechende Absprachen mit den Arbeitgeberverbänden anstreben würden.»

    Er wies auf den Paragrafen 616 des Bürgerlichen Gesetzbuches hin, der vorsehe, «dass unter bestimmten Umständen Eltern wegen einer Krankheit oder Betreuungsnotwendigkeit ihres Kindes vorübergehend der Arbeit fernbleiben dürfen». Dort heißt es, dass man einen Vergütungsanspruch nicht verliert, wenn man die vereinbarte Dienstleistung ohne eigenes Verschulden «für eine verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit» nicht erbringen kann.

    Der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, befürchtet wegen der Schutzmaßnahmen Arbeitsausfälle in Kliniken. «Wenn jetzt flächendeckend Schulen und Kitas geschlossen werden, dann muss die Politik dafür sorgen, dass das medizinische Personal trotzdem seiner Arbeit nachgehen kann», verlangte Gaß in der «Saarbrücker Zeitung» (Samstag). «Eine Notbetreuung der Kinder von Ärzten, Schwestern und Pflegern ist dringend erforderlich.»

    Die Vizechefin der FDP-Bundestagsfraktion, Katja Suding, mahnte dafür aber einen strikten Gesundheitsschutz an. Es brauche «sehr kleine Betreuungsgruppen, große räumliche Trennung zwischen den Gruppen, keine gemeinsame Nutzung von Gemeinschaftsräumen, besondere Hygienemaßnamen», sagte sie der «Welt».

  • Weniger Bürokratie für Altenheime wegen Corona gefordert

    Die Grundversorgung alter Menschen aufrecht zu erhalten, steht im Fokus der Altenheime. Damit die Belegschaften diese sicherstellen können, müssen sie mehr Freiheiten haben, meint ein Experte.

    Köln (dpa) - Seniorenheime sollen nach Ansicht eines Bundes-Heim-Verbandes wegen der Corona-Epidemie von Bürokratie und Kontrollen verschont werden.

    «In dieser drastischen Situation müssen wir die Rahmenbedingungen lockern», sagte der Chef des Bundesverbandes der kommunalen Senioren- und Behinderteneinrichtungen (BKSB), Dieter Bien, der Deutschen Presse-Agentur. So solle von Prüfungen der Heimaufsicht zunächst bis Ende Mai abgesehen werden. Die regelmäßigen Qualitätsprüfungen des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung für den sogenannten Pflege-TÜV werden bereits vorläufig bis Ende Mai ausgesetzt.

    Personalvorgaben wie die Fachkraftquote solle man zurückstellen, forderte Bien. Auch die Pflegeberichte könnten aus Sicht des Verbandes abgespeckt werden. «Es ist jetzt oberstes Gebot, die Grundversorgung der alten Menschen sicherzustellen.»

    Überdies müsse die Politik sich einen Überblick verschaffen, wo Schutzmaterial hergestellt werde, wo es künftig zusätzlich produziert werden könne und bis wann welche Utensilien lieferbar seien, forderte der Geschäftsführer der Alten- und Pflegezentren des Main-Kinzig-Kreises mit über 2000 Bewohnern und Mitarbeitern.

    Zu einem Besuchsverbot in Seniorenheimen sagte der Chef des in Köln angesiedelten Verbandes: «Extremsituationen machen extreme Entscheidungen nötig - aber es muss Ausnahmen geben.» Heimbewohner seien im letzten Lebensabschnitt angekommen - und wer im Sterben liege, müsse Besuche von Angehörigen erhalten können. Angehörigen in Bayern ist der Besuch von Alten- und Pflegeheimen seit Freitag weitgehend untersagt. In vielen anderen Bundesländern dürfen Rückkehrer aus Risikogebieten zwei Wochen lang Alten- oder Pflegeheime nicht betreten.

    Schulschließungen, die wie alle anderen Menschen mit Kindern auch Mitarbeiter in Heimen betreffen, stellen diese laut Bien vor Herausforderungen. «Denn das A und O ist, dass das Personal bleibt und arbeitsfähig bleibt.» Da würden nur ungewöhnliche Lösungen helfen - zum Beispiel eine Mitarbeiterin zur Betreuung der Kollegen-Kinder in einem separaten Raum des Heims einzusetzen.

  • Laschet: CDU-Parteitag womöglich erst nach Sommerferien

    Berlin (dpa) - Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet hält es für möglich, dass die Entscheidung über den CDU-Vorsitz erst nach der Sommerpause fällt.

    Laschet ist einer von drei Bewerbern. Den dafür ursprünglich am 25. April vorgesehenen Sonderparteitag hat die Partei wegen der Corona-Epidemie abgesagt. «Irgendwann wird er stattfinden, vielleicht sogar erst nach den Sommerferien», sagte Laschet am Freitagabend im ZDF. «Wir müssen jetzt alle Kräfte bündeln, um in dieser Krise zu arbeiten.»

    Laschet bewirbt sich neben Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz und dem Vorsitzenden des Bundestagsausschusses des Auswärtigen, Norbert Röttgen, um die Nachfolge der CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer.

    Die Kandidatur interessiere ihn derzeit «relativ wenig», sagte Laschet. «Keinen Menschen interessiert im Moment diese Frage. Die Menschen wollen, dass man sich um diese Krise kümmert.»

    Er fügte hinzu: «Und das ist das Schöne, was man überall spürt, dass das parteiübergreifend geht.» Zum Beleg wies er darauf hin, dass der Bundestag am Freitag alle drei vorgeschriebenen Beratungen über die Erleichterungen beim Kurzarbeitergeld in nur einer Sitzung bewältigt hatte. «Das ist ein Klima der Solidarität, dass das Land im Moment erlebt. Und nur so ist das alles zu bewältigen, nicht mit Verordnungen oder Gesetzen, sondern mit einem Geist, der die alten Grenzen überwindet und sich jetzt wirklich auf dieses Thema konzentriert.»