Dienstag, 25. Februar 2020

08.06.2016
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Gegen die Sittendiktatur!

Gegen die Sittendiktatur!
Endlich kann man es einmal aus vollstem Herzen lesen: "Der Playboy gefällt wegen eines Textes."

Dieser Text von David Signer, der eigentlich NZZ-Redakteur und promovierter Ethnologe ist, beginnt wenig spektakulär mit den Worten: "Es gibt weiß Gott beunruhigende Entwicklungen in der Welt: Klimawandel, wahnsinnige Diktatoren mit Atombombe, fanatische Islamisten, Finanz- und EU-Krise, Überbevölkerung dort, Vergreisung und Kinderlosigkeit hier, ein steigender Meeresspiegel, der bald ganze Inseln zum Verschwinden bringt, Millionen von Kindern, die nicht wissen, ob es heute Abend etwas zu essen gibt."

Jaja, mag man denken, wir kennen die Leier. Doch dann kommt der Autor zum Punkt: "Aber für viele Leute hierzulande gibt es nur ein einziges Problem, das zählt: Könnte mich der Rauch dieser Person, die im selben Raum wie ich eine Zigarette qualmt, umbringen?"

Was dann folgt, ist ein erfrischendes Plädoyer für die Unvernunft - im Sinn-vollsten Sinne. Und Signer hält sich nicht politisch korrekt zurück, sondern fährt Geschütze auf, die man selten in der deutschen Debatte hört: Es gehe bei der ganzen Verbieteritis "um eine systematische, kollektive Infantilisierung. Brauchen wir wirklich permanent bevormundende Aufpasser und diese aggressive Fürsorglichkeit all der Politiker, die uns vor uns selber schützen?" Nein, brauchen wir nicht!

Schön, dass der Autor, der sich selbst als Genussraucher bezeichnet, auch die Schwachstellen der Überwachungskultur aufzeigt: "Schon lange war es nicht mehr so leicht, als Rebell aufzutrumpfen und - subversiv gewordene - Männlichkeit zu signalisieren: mutig, draufgängerisch, gleichgültig gegenüber den Konventionen und Moralvorstellungen einer spießigen Mehrheit. Eine Zigarette im Mundwinkel genügt. Rauchen ist plötzlich wieder zu einem wilden Widerstandsstatement geworden."

Mehr davon findet man in David Signers kleinen, aber sehr empfehlenswerten Büchlein im Jackentaschenformat: „Weniger Verbote! Mehr Genuss! Ein Aufruf gegen die Entmündigung“ (Haffmans & Tolkemitt, 4,95 Euro).




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