Dienstag, 25. Februar 2020

25.04.2016
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Rennaissance der Freiheitsliebe?

Rennaissance der Freiheitsliebe?
FDP 2016 - wie Phönix aus der Asche?

Ulf Poschardt, der stellvertretende Chefredakteur der WELT-Gruppe, diagnostiziert eine Renaissance des Liberalismus in Deutschland – bezeichnenderweise gab der Niedergang der FDP den Startschuss dazu. Poschardts Spurensuche vom 23. April in der Tageszeitung "Die Welt"  manch interessantes Detail. In vielerlei Hinsicht hat Poschardt gewiss nicht Unrecht, und es gibt durchaus Anlass, auch optimistisch zu sein. Jedoch bietet gerade der Liberalismus auch viele Möglichkeiten, den fortschreitenden Zerfall mit Freiheitsgewinn zu verwechseln.

Ja, es ist ein Befreiungsschlag für freiheitliches Denken gewesen, dass die Krise der FDP und ihre Verbannung aus dem Bundestag in eine Neuformierung und eine tiefgehende Identitätsanalyse mündeten. Tatsächlich ist der FDP mit Christian Lindner auch gelungen, aus der Opposition heraus eine gewisse Attraktivität zu entwickeln. Gleichzeitig hat aber auch gerade der Niedergang des etablierten Liberalismus in Deutschland zu einer weiteren Zerfaserung des Spektrums geführt. Das hat er im Übrigen auch mit dem Konservatismus und mit dem sozialdemokratischen Milieu gemein.

Dass die FDP nunmehr wieder bundesweit über der Fünf-Prozent-Marke rangiert, muss man nicht zwingend nur als Erfolge der Freidemokraten zurückführen. Betrachtet man die gesellschaftspolitische Konstellation, die Regierungsverdrossenheit und das Voranschreiten des Nanny- und Nudging-Staates, dann ist dieser Zuwachs eigentlich eher enttäuschend klein und deutet auf zahlreiche verpasste Gelegenheiten hin. Die Lindner-FDP wirkt wie ein vergleichsweise junger Einwechselspieler, der sich am Spielfeldrand warm macht und darauf wartet, eingewechselt zu werden. Ob sie für die Kernthemen Freiheit, Selbstbestimmung und Toleranz wirklich Joker-Qualitäten hat, muss sie erst noch beweisen – vielleicht auch dadurch, dass sie sich dem parteiungebundenen freiheitsliebenden Politik-Spektrum mutiger öffnet.

Die FDP kann nicht erwarten, dass liberales Denken quasi automatisch wieder auf sie zudriftet, nur weil sie ein paar Prozentpunkte zugelegt hat. Wenn sie sich hier besser vernetzt, kann es der Partei gelingen, eine stärkere Bodenhaftung zu entwickeln – und das täte ihr gut, gerade dann, wenn die Schwäche der Etablierten sie möglicherweise demnächst in Regierungsverantwortung schwemmen sollte.

Matthias Heitmann ist freier Publizist und Redakteur der BFT Bürgerzeitung.

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