Montag, 27. Juni 2016

08.03.2016
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Der (Flüchtlings-)Gipfel des Zynismus

Der (Flüchtlings-)Gipfel des Zynismus
Die Ergebnisse des EU-Gipfels mit der Türkei sind an Unmenschlichkeit und Zynismus kaum noch zu überbieten, findet Matthias Heitmann.

Es fällt schwer, den Vereinbarungsdschungel, den die EU zur Verschleierung gedeihen lässt, zu durchschauen, ich versuche es dennoch. Der gestrige Flüchtlingsgipfel hat meinem Verständnis nach folgendes Ergebnis gebracht:

Die Türkei nimmt alle sich von ihrem Staatsgebiet nach Griechenland durchschlagenden syrischen Flüchtlinge zurück. Für jeden zurückgenommenen Flüchtling darf im Gegenzug ein anderer in türkischen Lagern registrierter syrischer Flüchtling in die EU einreisen.

Das heißt: Je mehr Syrer per Boot nach Griechenland gelangen, desto mehr Syrer dürfen in die EU einreisen. Das lässt sich die Türkei von der EU gut bezahlen. Der türkische Staat wird zum offiziell anerkannten Schleuser: Je mehr Flüchtlinge er nach Griechenland einschleust, desto schneller leeren sich ihre Flüchtlingslager.

Die EU feiert dies als den Anfang vom Ende der illegalen Einreise und der kriminellen Schleusertätigkeit und zahlt der Türkei dafür Geld.

Wäre es dann nicht billiger und auch humaner, die Menschen direkt durchzulassen, ohne der Türkei Prämien dafür zu zahlen, dass sie Bootsflüchtlinge zurücknimmt und durch andere Flüchtlinge ersetzt? Möglicherweise, aber niedrigere Preise bedeuten nicht immer, dass sich etwas gut verkaufen lässt.

Wer so skrupellos mit menschlichen Schicksalen spielt und noch dazu die eigenen Bürger verarscht, wie es die EU-Granden tun, ist eigentlich reif für den ... achso, den Friedensnobelpreis hat die EU ja schon.

Matthias Heitmann ist freier Publizist, Redakteur der BFT Bürgertzeitung und Autor des Buches "Zeitgeisterjagd. Auf Safari durch das Dickicht des modernen politischen Denkens". Seine Website findet sich unter www.zeitgeisterjagd.de.


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