Samstag, 24. Oktober 2020

15.10.2015
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Naivität des Bösen

Naivität des Bösen
"Weder eine dichte Grenze noch ein hartes Wort der Kanzlerin werden die Flüchtlinge aufhalten", schreibt Bernd Ulrich in seinem in der "Zeit" (Ulrich schreibt: "Die Angst davor, dass der Zustrom von jährlich einer Million zu 80 Millionen Deutschland überfordern könnte, bekommt mehr und mehr panische Züge, entsprechend schießen wirklichkeitsfremde Abgrenzungswünsche ins Kraut, Gewaltfantasien gegen Flüchtlinge machen sich breit. Und unter der falschen Fahne der 'Realpolitik' wird im Mittleren Osten wieder mehr in Illusionen investiert und mit Bomben außenpolitischer Voodoo betrieben. Es wird Zeit, dass Amerikaner und Europäer, dass insbesondere auch die Deutschen sich von ihren Illusionen und Obsessionen befreien und sich ihren Ängsten stellen."

Der Artikel regt aber auch deshalb zum Nachdenken und Diskutieren an, da er die heute so gerne gestellte Frage, was denn das Flüchtlingselend im Nahen Osten eigentlich mit uns zu tun habe, nicht einfach so stehen lässt, sondern sie weit ausholend beantwortet, ohne dabei in pauschale Anklagen gegen den Westen zu verfallen. Im Gegenteil, er schreibt dazu: "Einer der wichtigsten Gründe dafür, dass der Mittlere Osten nicht vorankommt, ist seine ausgeprägte Ausredenkultur. Immer ist der Westen schuld, der Kolonialismus, der Imperialismus, Amerika, Israel, die EU. Das Argument vergiftet die Araber und Perser, lähmt ihren Ehrgeiz, deswegen müsste es dort eigentlich gesetzlich verboten sein."

Und mit dem eindeutigen Hinweis auf die Verfehlungen europäischer Politik angesichts der sich seit längerem abzeichnenden Krise entwickelt Ulrich sogar einen Hauch von Zuversicht: "Diese reale, politisch verschuldete Überforderung verbindet sich zurzeit mit der apokalyptischen Vorstellung eines unendlichen, nie versiegenden Flüchtlingsstromes. Tatsächlich ist nicht leicht zu sagen, wie viele Menschen noch kommen. Eines jedoch ist gewiss: So viele Fehler wie in diesem Jahr werden wohl kaum noch einmal gemacht. Die EU hat das Problem zunächst brutal verdrängt, der Flüchtlingsgipfel im April erging sich in Symbolhandlungen, viele Syrer verloren derweil jede Hoffnung auf Besserung, und in den jordanischen, libanesischen und türkischen Flüchtlingscamps wurden obendrein die Essensrationen runtergefahren, weil ihnen das Geld ausging; schließlich verwandelte der anschwellende Flüchtlingsstrom die EU binnen weniger Tage in einen unsolidarischen Hühnerhaufen. Schlechter kann man es nicht machen, 2016 kann nur besser werden."

Bild: Fotolia

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