Samstag, 24. Oktober 2020

21.09.2015
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MONIKA BITTL | Ausgemerkelt – über den Mutti-Alptraum

MONIKA BITTL | Ausgemerkelt – über den Mutti-Alptraum
Derzeit werde ich von Alpträumen heimgesucht. Neulich war ich im Schlaf eine waschechte Grüne und glaubte, das sei nicht mehr zu toppen. Aber vergangene Nacht kam es noch weitaus schlimmer. Stellen Sie sich vor, ich war im Traum die Tochter von Angela Merkel und „Mutti“ wollte mich nun ganz konkret erziehen! „Wenn du dich jetzt nicht endlich anständig benimmst“, drohte sie, „dann ist das nicht mehr mein Land!“ Wollte Mutti weggehen, mich alleine lassen? Ich brach in Tränen aus und Mutti tröstete mich: „Wir schaffen das! Wir schaffen das ganz bestimmt“.

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Merkel war die ganze Zeit sehr emotional, eine wirklich warmherzige Mutti. Aber genau das passte Papa nicht. Er schimpfte laut: „Musst du jetzt in der Familie auch noch so gefühlsdusselig werden? Reicht das nicht in der Politik?“ Und er zitierte Max Weber. Demnach sieht sich Gesinnungsethik immer im Recht, weil die Gesinnung eben so gut ist, sind die Folgen egal. Verantwortungsethik bedenkt dagegen die Folgen vorher und stellt sich ihnen nachher. „Du aber“, so Papa zornig, „bist gesinnungsgeleitet, gefühlskalkulierend, kurzsichtig, verantwortungslos .... und manchmal glaube ich sogar, du hast den Verstand verloren!“

Aus meiner Tochterwarte war der Krach zwischen den Eltern natürlich beängstigend und ich flehte: „Habt euch doch bitte wieder lieb!“ „Keine Sorge“, raunte mir Mutti zu, „in der Politik werde ich mit ganz anderen Kalibern fertig, Papa bringe ich locker zum Schweigen!“ Dabei zwinkerte sie mir zu und ich war beruhigt.

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Tatsächlich kuschelten sich Mutti und Papa später auf dem Sofa aneinander und sagten: „Wir müssen reden!“. Sie redeten und redeten und dachten wohl, ich würde nicht zuhören, denn normalerweise schließen sie bei vielen Themen die Türe hinter sich, aus Angst, ich würde etwas aufschnappen, ein geschickter Mensch würde mir das entlocken und es gelangte an die Presse. „Wir müssen ganz offen sein!“, sagten beide und vergaßen mich darüber. 

Jedenfalls fragte der Papa, warum Mutti eigentlich immer ein „schönes Gesicht“ zeigen will. Neulich auf der Pressekonferenz hätte sie ja auch gesagt, dass es darum ginge mit der Willkommenskultur ein deutsches Gesicht zu zeigen und Mutti hätte wörtlich gesagt: „Da sagte die Welt: Das ist aber eine schöne Geste!“ Warum sei sie denn so auf ihr Ansehen bedacht, im Privaten wie im Politischen? Das müsse doch einen tieferen Grund über vernünftigen Machtwillen hinaus haben! Mutti schossen daraufhin Tränen in die Augen. „Weißt du“, antwortete sie, „das hat mich mein Psychoanalytiker auch schon gefragt.“ „Und?“, wollte Papa wissen. „Mein Unbewusstes will Auschwitz wieder gut machen! Ich will endlich diese Schuld der Eltern und Großeltern los werden!“ 

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Papa starrte sie an. „Also das verstehe ich jetzt nicht. Ich glaube eher, dass die Juden wieder Deutschland verlassen, wenn hier plötzlich so viele Muslime leben. Denk doch an letztes Jahr, wo auf offener Straße ‚Juden ins Gas’ gerufen wurde! Das beunruhigte uns doch alle.“

„Ach was“, korrigierte ihn Mutti, „mit meinem Analytiker habe ich herausgefunden, dass es eigentlich nicht so sehr um die anderen geht, sondern um uns selbst. Schau mal, die Ermunterung zur Willkommenskultur war doch eigentlich nur innenpolitisch gedacht, gegen die Rechten, gegen AfD und Pegida. Und zugleich ein taktischer Zug der Annäherung an die Grünen. Die merken doch gar nicht, wie ich sie von innen her aushöhle! Dass diese Ermunterungen plötzlich im Ausland die Runde machten, auf den Smartphones in der ganzen Welt, konnte ich doch nicht vorher wissen!“ Mutti zuckte hilflos die Schultern, Papa sagte: „Das schaffen wir schon, du bist doch eine begnadete Strategin!“ Und scherzend fügte er hinzu: „Oder Populistin?“

Mutti kniff ihm daraufhin in den Arm und sagte: „Du bist mir aber einer!“ Sie lachte wieder, ehe sich ihr Gesicht verdüsterte und sie auf den Horst zu sprechen kam. Da konnte Papa sie aber wieder aufheitern. „Der traut sich doch nicht wirklich. Keiner traut sich wirklich eine Palastrevolution!“ Mutti schien das nicht ganz zu überzeugen, Papa legte nach: „Du hast doch die Medien ganz auf deiner Seite! Schon wieder etwas, wofür ich dich so bewundere, wie hast du das nur geschafft?“

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Das hätte Papa nicht sagen dürfen, denn jetzt sprang Mutti zornig auf. „Was heißt da, die Medien? Ich habe die Menschen auf meiner Seite. Außer ein paar Idioten stehen alle hinter mir!“

„Nein, Schatz!“, entgegnete Papa scharf. „Du machst immer den gleichen Fehler! Du verwechselst die Medien mit deinen Untertanen ... ähm ... Bürgern!“

„Gar nicht!“, empörte sich Mutti.

„Doch! Wer geht denn einkaufen oder abends in die Kneipe zum Türken um die Ecke und spricht mit ganz normalen Leuten? Ich. Und ich höre, was die Menschen sagen. Der türkische Wirt sagte neulich: ‚Kann nicht gutgehen, sind viel zu viele! Kopflos Politik die Merkel machen.’“

Und schon wieder stritten sie sich, Mutti zwinkerte mir zu und ich wusste dann schon, was das hieß: Mit dem Papa wird sie leicht fertig. Aber ob sie das mit den anderen Männer da draußen auch so leicht schafft, fragte ich mich im Traum. Den ganzen europäischen Staatsleuten, die den Kopf über den deutschen Sonderweg schütteln und schon offen nachfragten, warum Deutschland wieder „besser“ sein möchte. Ach was, dachte ich noch beim Aufwachen aus diesem Alptraum, „wir schaffen das!“ Aber als ich die Augen wieder öffnete war ich heilfroh, dass es sich wenigstens privat ausgemerkelt hatte.

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