Samstag, 11. Juli 2020

19.09.2016
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Es geht um Ressentiments, nicht um Sicherheit!

Es geht um Ressentiments, nicht um Sicherheit!
Die deutsche Politik verhält sich wie ein Raucher mit Flugangst: Sehr besorgt, was kaum veränderliche, aber vernachlässigbare Risiken angeht, aber reale, durchaus kontrollierbare Risiken aktiv ignorierend, schreibt Prof. Christian Stöcker von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW) in seinem Kommentar „Warum Terrorangst Unsinn ist“ vom 18.9.2016. Er kritisiert zu Recht, dass der Satz „die Ängste der Bürger ernst nehmen“ in den vergangenen zwölf Monaten zu einem politischen Mantra geworden, das jede andere politische Motivation zu überstrahlen scheint.

Interessant ist an diesem „Ernstnehmen“, das es nicht selten einem Überbetonen gleichkommt. „Ich war diesen Sommer in ganz Deutschland unterwegs, und ich habe nirgends Menschen gesehen, die sich ängstlich umschauen, ob irgendwo ein Bärtiger mit Kalaschnikow auftaucht“, berichtet Stöcker. „Ob am Ostseestrand, in der fränkischen Provinz oder im Berliner Regierungsviertel: Überall scheinen die Leute ganz normal ihr Leben zu leben, sie sitzen in Cafés, lachen und schieben ihre Kinderwagen herum, obwohl sie sich doch angeblich so fürchten! Sogar in Mecklenburg-Vorpommern soll das bis heute so sein.“

Tatsächlich ist das Ernstnehmen von Bürgern in der Politik gleichbedeutend mit dem Ausschlachten von Vorurteilen. Nochmal Stöcker: „Es geht in Wahrheit gar nicht um ‚Sicherheit‘, wie etwa Horst Seehofer ständig betont, sondern um die Pflege von Ressentiments. Es scheint politisch erfolgversprechender zu sein, sich öffentlichkeitswirksam vor dem Islam zu fürchten als vor relevanteren Bedrohungen. Tipp für einen Selbstversuch: Ersetzen Sie einmal in Äußerungen von Seehofer oder Markus Söder das Wort ‚Sicherheit‘ jeweils durch das Wort ‚Ressentiments‘ – das funktioniert erstaunlich gut.“

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