Sonntag, 27. September 2020

13.09.2016
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Wie aus Gastarbeitern "Muslime" wurden

Wie aus Gastarbeitern "Muslime" wurden

Wir erinnern uns: Auch schon vor dem 11. September 2001 gab es in Deutschland Menschen muslimischen Glaubens. Allerdings hat sich seither sowohl die Fremd- als auch die Selbstwahrnehmung dieser Personengruppen substantiell verändert, wie Christian Meier in seinem Artikel „Vom Gastarbeiter zum Muslim“ in der Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 10. September 2016 beschreibt: Sie seien von „Gastarbeitern“ zu „Migranten“, „Personen mit Migrationshintergrund“ oder „Muslimen“ geworden. Also sei nicht jeder Türke oder Araber zum Muslim erklärt, sondern auch der Islam der Terroristen zum Islam an sich erklärt worden. All das sei, analysiert Meier, nicht folgenlos für die Selbstwahrnehmung derjenigen geblieben, deren Eltern als türkische „Gastarbeiter“ nach Deutschland gekommen waren, die selbst dort als „Ausländer“ aufgewachsen waren und die sich nun auf einmal als „Muslime“ oder, nur vermeintlich neutral, „Personen mit Migrationshintergrund“ im Zentrum heftiger Debatten um ihre Integrationsfähigkeit wiederfanden.

Für Christian Meier ist für viele Muslime hierzulande in den letzten 15 Jahren die Religion „ein wichtiges Differenzierungsmerkmal geworden – gegenüber der islamskeptischen Mehrheitsgesellschaft, zugleich, so vermuten Sozialwissenschaftler, aber auch gegenüber der eigenen Elterngeneration, die oftmals wenig religiös war.“ „Die Radikalität mancher salafistischer und dschihadistischer Prediger“, so Meier weiter, „zeigt sich denn auch darin, dass sie junge Muslime davon überzeugen, nicht nur die Nichtmuslime führten ein Leben fern von Gott, sondern auch ihre eigenen muslimischen Eltern und Großeltern.“ Die Fremdheit sowohl gegenüber der Mehrheitsgesellschaft als auch gegenüber den eigenen Eltern macht den radikalen Islam für viele Jugendliche – und eben nicht nur für solche mit, sondern auch ohne Migrationshintergrund – zu ideelle Basis für eine protestorientierte Jugendkultur. Meier lässt am Ende seines Artikels durchblicken, wie diesem Phänomen beizukommen sei: „Je verwurzelter und willkommener junge Muslime sich in Deutschland fühlen, desto weniger anfällig dürften sie für diese Form von Propaganda sein.“

 

 

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