Samstag, 04. April 2020

VIGNETTE | Gleichwertig, aber nicht gleich

VIGNETTE | Gleichwertig, aber nicht gleich
Haben Sie sich auch schon gefragt, warum Sie nicht so reich, so schön und so berühmt sind wie ein Manuel Neuer, eine Claudia Schiffer oder ein Gianis Varoufakis? Warum verdiene ich nicht das x-fache meines Lohns, habe nicht die Traummaße eines Modells oder die Macht eines Ministers? Ihre Fangroup beschränkt sich auf die Facebook-Freunde, niemand erkennt Sie ungefragt. Keiner will eine Home-Story mit Ihnen machen oder spioniert Ihnen im Luxushotel am Südseestrand hinterher. Manchmal beruhigen Sie dich mit dem Gedanken, was so ein Ruhm alles für Nachteile hat. Sicher sehr viele Nachteile, denn sonst würde doch ein Jeder reich, schön und berühmt werden, oder? Millionen Normalos wie wir können nicht irren! Oder gibt es doch vielleicht Menschen, die einfach schöner, sportlicher oder einfach mit mehr Talent ausgestattet sind als wir? Macht das die Leute bisweilen erfolgreich, während wir uns mit Frühbucherrabatten, Steuerklärungen oder Diäten herumschlagen müssen?

Den Kindern geben wir oft eine einfache Antwort, wenn der Sohn fragt, warum der Freund schon ein i-Phone hat, er aber noch nicht. Oder wenn die Tochter wissen will, warum sie nicht so schöne blonde Haare hat wie die Nachbarin. Wir sagen fast intuitiv: „Die Welt ist manchmal einfach ungerecht.“ Das heißt nun, dass es tatsächlich vorhandene Ungerechtigkeiten gibt, die bekämpft gehören. Aber die Wahrheit, die wir unseren Kinder verkünden, heißt mit anderen Worten: Die Menschen sind nicht alle gleich, sondern verschieden. 

Ungerechtigkeitsdebatten erfreuen sich großer Beliebtheit. Auf Partys, im Bundestag und an Stammtischen. Doch die Debatten haben mittlerweile das ureigene Spielfeld von Geldverteilung verlassen und bewegen sich auf eine größt mögliche „Gerechtigkeit per se“ zu. Jeder sollte die gleiche Chance haben. Immer und überall. Ob Mann oder Frau, groß oder klein, homo oder hetero, jung oder alt, reich oder arm geboren. Die Idee ist natürlich klasse und hat schon viel Gutes bewirkt. Kaum mehr jemand schämt sich wie früher noch für Armut. Schwule können endlich ihre Sexualität offen leben. Frau wurden sogar Bundeskanzler. Aber wenn Antidiskriminierungsstellen wie Pilze aus dem Boden schießen, drängt sich der Verdacht auf, es ginge vielleicht mehr um Stellenbeschaffungsmaßnahmen als um eine wirklich gerechtere Welt. In den ganzen Debatten wird vergessen, dass wir Menschen zwar alle gleichwertig, aber eben nicht gleich sind.

Libera

Bild: CFalk/pixelio.de

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