Mittwoch, 11. Dezember 2019

01.04.2015
| Gesellschaft | 0 | Drucken

„Politische Korrektheit konsequent leben: Separierung friedlich gestalten“

neger metallsystem
Eine Bürgerinitiative in Mainz macht Stimmung gegen einen Dachdeckerbetrieb. Nicht wegen überhöhter Rechnungen oder unerträglicher Verspätungen im Bau, sondern wegen seines Namens. Den hat der Chef beigesteuert. Er heißt Thomas Neger, und seine Firma heißt „Thomas Neger Metallsystem und -bedachungen GmbH“. Doch nicht nur das: Das Logo des Betriebs ziert ein schwarzes Männchen, das mit seinen dicken Lippen und einem großen Ohrenschmuck eine eindeutig afrikanische Anmutung aufweist.

Dagegen hat sich nun in der rheinland-pfälzischen Hauptstadt Wiederstand formiert. Nicht gegen die Firma oder gegen den Namen, sondern gegen das seit Jahrzehnten existierende Logo, das sich dereinst der Großvater des heutigen Betriebschefs, Ernst Neger, ausdachte. Dass es ihm damit weniger um verkappten Rassismus, sondern eher um Fröhlichkeit und Augenzwinkern ging, darauf deutet schon die Tatsache hin, dass Ernst Neger ein stadtbekannter Karnevalist war. Wie sein Enkel Thomas es im Übrigen auch ist.

Wenig mit dieser Art von Humor im Sinn hat offensichtlich Tahir Della von der „Initiative Schwarze Menschen in Deutschland“. Gegenüber dem Nachrichtensender n-tv sagte er zu Thomas Negers Behauptung, das Logo sei nicht rassistisch: „Es ist zweifelhaft, ob er [Thomas Neger, M.H.] das aus seiner Perspektive einschätzen kann. Als Mensch, der höchstwahrscheinlich nicht über Rassismuserfahrung verfügt, fehlt ihm hier schlichtweg die Kompetenz.“ Hier zeigt sich das Problem in seiner ganzen Tiefe: Da Thomas Neger aus einer Lebenserfahrung als „Meenzer Bub“ noch nie rassistisch angefeindet worden sei, könne er nach Aussage des Experten Della auch gar nicht entscheiden, ob etwas rassistisch sei oder nicht.

Die Frage jedoch, wie dann Menschen rassistisches Verhalten vermeiden können sollen, wenn sie nur, wenn sie es selbst erleben, es identifizieren können, wurde Della entweder nicht gestellt oder von ihm nicht beantwortet. Der seit Jahren schwelende Konflikt spitzt sich nun zu: Die Facebook-Gruppe „Das Logo muss weg – Für eine Welt ohne Rassismus“ hat mittlerweile über 3000 Fans.

Ähnliche Diskussionen wurden kürzlich auch an anderer Stelle geführt. In einem Bürgerhaus in Frankfurt am Main fand vor wenigen Wochen eine Konferenz der besonderen Art und unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Unter dem Titel „Rassistische Gewalt verhindern – jetzt!“ diskutierten Vertreter salafistischer Organisationen mit Mitgliedern der deutschen Organisation Attäck und der dubiosen norwegischen Bewegung „Breivig for Nobel“ über neue Strategien im Kampf gegen Gewalt auf deutschen Straßen. Das gemeinsam auf dem Tageskongress erarbeitete Kommuniqué soll demnächst der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Aydan Özoğuz (SPD), vorgelegt werden.Es enthält konkrete Handlungsvorschläge zur Konfliktbewältigung, die zwar unterschiedlicher kaum sein könnten, die aber dennoch Gemeinsamkeiten aufweisen.

Während die salafistischen Vertreter die verbindliche Vollverschleierung aller Frauen und die Zwangsverbartung aller Männer vorschlugen (letztere ist bereits weit fortgeschritten), um sie rassistischen Blicken zu entziehen, verfolgten die rechtslastigen norwegischen Delegierten eine andere Strategie: Ähnlich ihrer Zielsetzung für Norwegen schlugen sie die Wiedereinführung der Rassentrennung auf deutschen Straßen vor. Schon jetzt gäbe es in deutschland Verkehrsschilder, auf denen weiße wie auch schwarze Figuren sowie ebenfalls getrennt voneinander Männer sowie Frauen und Kinder abgebildet seien; die Trennung nach genau den Unterschieden, die zu Konflikten führen könnten, sei also unbewusst bereits eingeübt. Jedoch betonten sie, es gehe ihnen dabei keineswegs um eine Geringschätzung von Ausländern, sondern im Gegenteil um deren Schutz vor ausländerfeindlichen Übergriffen.

Den deutschen Attäck-Vertretern kam auf dem Kongress die Vermittlerrolle zu. Immer wieder mussten sie die verschiedenen Fraktionen an einen Tisch und die Verhandlungen trotz aller Zwistigkeiten auf einen gemeinsamen Nenner bringen. Die Aufgabe gelang eindrucksvoll: Unter dem Motto „Politische Korrektheit konsequent leben: Separierung friedlich gestalten“ schafften sie es, dass alle Parteien letztlich der grundlegenden Idee der Trennung der unterschiedlichen Volksgruppen zustimmten.

„Die Konferenz ist ein wichtiger Schritt nach vorn“, resümierte Attäck-Sprecher Malte Meckernich. Für ihn sei es „extrem wichtig, dass man Konzepte wie räumliche Trennung und optische Abschottung nicht tabuisiert, sondern vorurteilsfrei und depolitisiert betrachtet“. Die Sprecherin des Komitees Frigida („Friedbergerinnen gegen die Intoleranz deutscher Alphamännchen“), Retsre Lirpa, betonte, dass „das Zusammenleben in deutschen Städten nicht eben chillig“ und es daher nachvollziehbar sei, sich nicht der "chauvinistischen deutschen Bierbauch-Kultur" anschließen zu wollen. „Wir können nicht immer nur von politischer Korrektheit reden, ohne sie anzuwenden. Wir machen das jetzt mal.“

Immerhin, so fügte Meckernich an, habe auch „die Mauer über Jahrzehnte hinweg Konflikte zwischen Ost- und Westdeutschen verhindert - eine Sicherheitsabsperrung, die seitdem fehlt. Warum soll diese Art der Befriedung nicht wieder funktionieren?“. Die Übergabe des Thesenpapiers an Aydan Özoğuz solle in den nächsten Tagen geschehen. Man wolle nur den 1. April und die Osterfeierlichkeiten abwarten. Zudem hoffe man darauf, dass die Lage in Mainz nicht weiter eskaliere.



Matthias Heitmann ist freier Journalist und Autor. Im Frühjahr 2015 erscheint im TvR Medienverlag sein neues Buch „Zeitgeisterjagd“. Seine Website findet sich unter www.zeitgeisterjagd.de

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren


Facebook Kommentar