Samstag, 04. April 2020

23.08.2015
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GIDEON BÖSS | Zensur im Namen der Gleichberechtigung

GIDEON BÖSS | Zensur im Namen der Gleichberechtigung
Ich schaue so gut wie nie Talkshows, aber weil ich sie über meine GEZ-Gebühren trotzdem finanziere, mache ich eben von Zeit zu Zeit eine Ausnahme. Man will ja sehen, ob das eigene Geld gut angelegt ist. Die eine Ausnahme in den letzten Monaten war ausgerechnet die Giftschrank-Sendung von hart aber fair.

Nieder mit dem Ampelmännchen“ hieß sie und drehte sich um die Gleichberechtigung der Geschlechter und dabei auch um Gender Mainstreaming. Sie war interessante, unterhaltsam und an manchen Stellen auch entlarvend. Also eigentlich genau so, wie eine Talkshow sein sollte.

Nun hat der WDR sie aus dem Programm genommen. Sie darf nicht mehr gezeigt werden. Mit verantwortlich dafür ist die Beschwerde eines Vereins mit dem Namen „Deutscher Frauenrat“. Er sieht sich als eine progressive Organisation, hat aber im Grunde eine autoritäre und antiliberal Haltung, die aus jeder Zeile seiner Beschwerde herauszulesen ist. Meinungsfreiheit, Pluralismus und Debattenkultur sind schön und gut, solange am Ende die Richtigen als „Sieger“ daraus hervorgehen. Wenn das nicht der Fall ist, werden eben Verbote gefordert.

Zufrieden verkündete der Verein nun, dass der WDR-Intendant Tom Buhrow großes Verständnis für die Beschwerde gezeigt habe, weil in der Talkshow auf „sehr unseriöse Art“ mit dem Thema Gleichstellung umgegangen worden sei. Wie aus Sicht des Frauenrats ein seriöser Umgang damit auszusehen hat, bleibt dabei ein Geheimnis, würde aber vermutlich wesentlich mehr an das Politfernsehen der frühere DDR erinnern als an kontroverse Talkshows in einer freien Gesellschaft.

Auch habe der WDR eine „einseitige Gästeauswahl“ eingestanden, jubelte der Frauenrat (Es gab in der Sendung zwei Meinungslager: Zwei Gäste auf der einen Seite, drei Gäste auf der anderen, was bei fünf Teilnehmern nicht so überraschend ist). Als Reaktion darauf wurde nun also entschieden, diese Folge zu verbieten und damit eine interessante Diskussion aus dem Verkehr zu ziehen. Für den Frauenrat ist dieser Tiefschlag für die Meinungsfreiheit ein Grund zur Freude. Jeder hat eben andere Dinge, auf die er stolz ist und die ihm wichtig sind.

Besonders erstaunt an der Rhetorik des Frauenrates die Kluft zwischen Wehleidigkeit im Einstecken und einem denunziatorischen Grundton beim Austeilen gegen seine Gegner. So warnt er unter der Erfolgsmeldung, dass die Talkshow-Folge verboten wird, vor einer Lesung von Birgit Kelle (auch Teilnehmerin eben dieser Talkshow), die dabei ohne weitere Begründung als Rechtspopulistin bezeichnet wird. So einfach kann es gehen. Rufmord ist in manchen Kreisen eben weiterhin die Waffe der Wahl.

Dass ein Verein, der mit solchen Mitteln Andersdenkende zu diskreditieren versucht, ausgerechnet fehlende Fairness in einer Talkshow anprangert, ist absurd. Noch absurder ist nur, dass der WDR ihm da zustimmt.

Man darf gespannt sein, wie der WDR entscheidet, wenn die Salafisten demnächst Protest einlegen, weil in einer Talkshow auf „sehr unseriöse Art“ und mit „einseitiger Gästeauswahl“ über den Salafismus debattiert wurde. Wer Meinungsäußerungen verbieten lassen will, weil sie ihm nicht in sein Weltbild passen, hat ideologisch jedenfalls mit den Feinden der Freiheit mehr zu tun als er sich eingestehen will.

Der Beitrag von Gideon Böss erschien zuerst in der Welt, hier.


Kommentare  

#1 Klasse .....Terri Malon 2015-08-24 15:53
toller Beitrag ...
kürzlich auf einer Veranstaltung gab es das Thema 'Gender-Korrekt nes' .. ich war noch immer der Meinung dass wir in Europa noch nicht ganz so schlimm sind wie in den USA.
Die Universität von Californien unterscheidet nun über 6 unterschiedlich e 'Gender# bzw. Geschlechte! Ich. "Armes Amerika!" - sind wir hier bald genauso weit?
Bitte nicht - ich finde den Mann auf der Ampel völlig ok und war auch immer zufrieden wenn uns die Politiker alle als 'Bürger' ansprachen. Ich brauche keine 'Wählerinnen und Wähler' oder 'Bürgerinnen und Bürger' ....
Ich brauche aber auch ekinen Verein wie den deutschen Frauenrat... ausser er kümmert sich mal wirklich um wichtige Belange! ... Rhetorische Zensur ist einfach nur OUT!
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