Samstag, 04. April 2020

VIGNETTE | „Man sollte mal ...“

VIGNETTE | „Man sollte mal ...“
Immer wenn es bei uns im Haushalt heißt: „Man sollte mal ...“, meint die unpersönliche Aussage eigentlich immer den anderen. „Man sollte mal den Müll rausbringen“, heißt nichts anderes, als dass ich meinen Partner auffordere, doch endlich auch einmal den Abfalleimer zu leeren. „Man sollte mal weiße Wäsche waschen“ heißt nichts anderes als dass mein Partner mir vorwirft, schon ewig die Waschmaschine nicht mehr angeworfen zu haben.

Paradoxerweise verhält es sich bei Politikern gerade umgekehrt. Die reden ständig von „wir“, wo es sich überhaupt nicht um sie selbst, sondern nur um uns, das „gemeine Volk“ handelt. Je unangenehmer eine Sache, desto öfter taucht sogar das „wir“ auf.

„Wir müssen jetzt fest zu einander stehen“, heißt es nach einem Unglück. Die Bundeskanzlerin spricht von „unseren Idealen“ und „unserer Intention des Grundgesetzes“ mit Blick auf populistische Strömungen. „Wir müssen den Gürtel enger schnallen“ heißt es bisweilen vom Finanzminister. „Wir müssen in drei Bereichen sehr viel besser werden“, forderte neulich Ursula von der Leyen im Interview. Die SPD ging sogar einmal so weit, mit dem „Wir“ Wahlkampf zu betreiben. „Das Wir entscheidet“.

Darüber sollte man mal nachdenken.

Libera

Bild: CFalk/pixelio.de

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