Samstag, 04. April 2020

11.05.2015
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Was mich an der Linken stört

Was mich an der Linken stört
„Heute weiß ich, was mein Problem mit der Linken war und ist: Sie hat sich weitestgehend von ihren humanistischen Grundlagen verabschiedet. Sie ist misanthropisch, pessimistisch und relativistisch geworden. Was sich heute „links“ nennt, ist das Gegenteil von progressiv. Mit denjenigen, die in der ersten französischen Nationalversammlung auf der linken Seite Platz genommen hatten, hat es nichts mehr zu tun. Dort saßen die, die sich für Wandel und Veränderung einsetzten, die Experimentierfreude, Innovation und Fortschritt als etwas Positives begriffen und die Fahne von Vernunft, Freiheit, Wissenschaft und den säkularen Werten der Aufklärung hochhielten. Diese Progressiven – was gleichzusetzen war mit Linken – gingen davon aus, die Welt morgen zu einem besseren Ort machen zu können. Diese Haltung bestimmte linke Politik von der französischen Revolution bis ins frühe 20. Jahrhundert. In dieser Zeit waren es Konservative und Reaktionäre, die am stärksten linke Ideale wie Vernunft, Eigeninteresse, Individualrechte und Fortschritt in Zweifel zogen. Heute sind es Leute, die sich selbst als Linke bezeichnen.

Bei der Frage, wie wir sieben Milliarden satt bekommen sollen, stehen viele Linke heute fest in der Tradition des bereits von Karl Marx kritisierten Überbevölkerungstheoretikers Thomas Malthus. Wenn man ihnen erzählt, dass nicht nur Armutslinderung sondern mindestens ein westlicher Lebensstandard für alle das Ziel sein muss, halten sie einen für verrückt. Wo die klassische Arbeiterbewegung noch auf die Kraft der freiwilligen Selbstorganisation setzte, sehen heute gerade Sozialisten den Staat als einzigen nennenswerten Akteur für Veränderung. Wo frühere Linke noch von einer Welt des Überflusses für alle träumten (Marx‘ „Reich der Freiheit“), predigen sie heute Konsumverzicht und „degrowth“.

Mit ihrer romantischen Skepsis gegenüber Wissenschaft, Technologie, Wachstum, Fortschritt und letztlich auch Freiheit wendet sich die ergrünte Linke gegen alles, was die historische Linke wollte. Dabei muss der moderne Ökologismus fast schon notwendigerweise autoritär sein, weil er das menschliche Streben nach mehr (sei es nun mehr Freiheit, mehr Wohlstand, mehr Konsum) als destruktiv und gefährlich begreift. Ökolinke sehen im Menschen vor allem einen Schädling im planetaren Organismus, den man auf ein klimaverträgliches Maß eindämmen muss.“


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